Pixel & Objektiv

Gibt es die "eierlegende Wollmilchsaukamera"?

Klaus Lorbeer, Cliff Kapatais Season 1 Episode 21

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Oft werden wir gefragt: Welche Kamera soll ich mir kaufen? – und meistens hoffen die Leute dann auf die eine Empfehlung, die einfach alles kann und für jeden Zweck passt. Das ist aber leider Wunschdenken. Warum? Das erklären Cliff Kapatais und Klaus Lorbeer in diesem Podcast und erzählen, worauf man bei der Kamerawahl achten sollte und wie man am Ende die Kamera findet, die wirklich zu einem selbst passt. 

SPEAKER_00

Pixel und Objektiv, wo Bilder sprechen und Fotografen plaudern. Der Podcast von Klaus Lorbeer, Chefredakteur des Fotoobjektiv Magazins und Cliff Kappertys, Fotograf und Agenturchefus Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Pixel und Objektiv.

SPEAKER_01

Mein Name ist Klaus Lorbeer und mir gegenüber sitzt Cliff Kappertys. Hallo. Hallo! Heute wollen wir über ein Thema sprechen, das sich immer wieder auf Messen, wenn wir auf Messen sind, zum Beispiel der Foto Adventure, auch von Fotografierinnen zu hören bekomme. Und zwar, welche Kamera sollen sie kaufen? Welche Kamera ist die richtige? Und zwar oft wird erwartet, dass es die eine Kamera, sozusagen die eierliegende Wollmilch-Sau-Kamera, ist, die für alle Situationen geeignet ist. Und da frage ich dich gleich mal, Cliff, gibt es so eine eierliegende Wollmilch-Sau-Kamera? Also ich glaube, die kurze Antwort auf die Frage ist einfach nein. Gibt es nicht. Super. Danke, dass Sie dabei waren. Das war unser kürzester Podcast. Nein, wir werden jetzt ein bisschen weitersprechen und das ergründen. Es ist nämlich so, dass es sehr viele verschiedene Kameras gibt. Natürlich, es gibt Kompaktkameras, es gibt Wechselobjektivkameras, es gibt ganz viele Einsätze, es gibt Sachen für Reisefotografie, Streetfotografie, professionelle Fashionfotografie und und und. Und wollen wir ein bisschen ergründen, was denn Leute, die eine Kamera suchen, welche sie denn dann bekommen können, welches die beste ist. Was ist dein Ansatz, wenn es darum geht, die beste Kamera zu finden?

SPEAKER_03

Also persönlich mag ich diese Frage überhaupt nicht, wenn sie mir gestellt wird, weil es dazu keine richtige Antwort gibt, weil es von sehr, sehr vielen Bedürfnissen, Wünschen, Budgets, Neigungen abhängt und auch eben hauptsächlich von was man fotografieren möchte. Die Kamera ist ein Werkzeug. Genauso wie du einen Werkzeugkasten hast, wo ein Hammer, ein Schraubenzieher und eine Zange dran sind, die komplett unterschiedliche Zwecke erfüllen, genauso ist es halt glöterweise auch bei der Kamera. Weil wenn ich für unterwegs drei, vier schnelle Fotos machen möchte, wenn meine Tochter irgendwas macht, bin ich happy, wenn ich das Handy dabei habe und nicht 10 Kilo Equipment mitschleppen muss. Wenn ich eine professionelle Produktion mache, wo ich auch Video und weiß ich was alles brauchen möchte, werde ich natürlich zufriedener sein, wenn ich entsprechendes Equipment mit habe, das ich tatsächlich auch dafür gut einsetzen kann. Und dementsprechend tue ich mir immer sehr, sehr schwer, irgendjemanden zu beraten mit, oh, welche Kamera, du bist ja Fotograf, was soll ich mir kaufen? Ich tue mir teilweise selber schwer, auch mir selber zu überlegen, was brauche ich, weil also haben wollen alle. Also ich spiele ja gerne Tech-Spielzeug und ich hätte für jede Kamera irgendeinen Verwendungszweck. Ich sehe in meiner Welt immer so drei bis vier Szenarien, die für mich vernünftig sind. Das eine ist das Professional, da habe ich halt mein komplettes Kanon, Fullbody, unterschiedlichste Objektive mit und alles, was dazugehört. Dann sehe ich den Daily Business, also wenn ich einfach wirklich unterwegs bin und wir uns treffen oder irgendwas ist oder unterwegs was Lustiges passiert, da bin ich inzwischen tatsächlich mit dem Smartphone sehr, sehr glücklich geworden, weil die in den letzten Jahren wirklich sehr, sehr gut geworden sind. Und dann gibt es noch so zwei Szenarien dazwischen. Einerseits, ich liebe Actioncams, weil gerade wenn man dann mal was Cooles macht oder schwimmen geht oder sich mit dem Mountainbike dem Berg runterwirft oder sonst irgendwas, da werde ich meine teure Kamera nicht mitnehmen oder halt nur, wenn es ein Job ist und das irgendwer zahlt. Da bin ich inzwischen sehr, sehr froh, dass es Action-Cams gibt, die genau für diesen Zweck gebaut sind und die inzwischen auch, und das ist immer dieses Beton dazu, qualitativ gut genug geworden sind, dass mir sie auch wirklich irgendwo verwenden kann. Also vor vier, fünf Jahren war das noch ein netter Spielzeug und cool. Heute ist es so, dass ich da tatsächlich auch B-Roll problemlos mit den Kameras machen kann. Also einfach Schnittmaterial oder da Behind-the-Scenes-Fotos oder sonst was, das ich verwenden kann. Und dementsprechend Actioncams und alles, was dazugehört, von Drohnen und 360 Grad und weiß ich was, also die ganze Spielereiwelt ist eins. Und das allerletzte Echo, was glaube ich meistens in die Richtung geht von den Leuten, die mich das fragen, ist dann wirklich eine Kompaktkamera, die man sich einstecken kann, in die Hosentasche mitnehmen kann, die klein, kompakt ist, aber wesentlich mehr Leistung und wesentlich mehr Funktionalität als das Smartphone bietet, wenn ich jetzt einen Städtetrip mache oder sonst irgendwas. Und das ist halt nicht beruflich. Also das sind so meine Levels von Biss, ja. Und das war jetzt eine lange, komplizierte Antwort auf eine sehr kurze Frage. Aber ich könnte noch stundenlang dazu erzählen, weil die Frage einfach das Schwierige ist. Und das, was bei mir dann noch viel mehr reinkommt, abgesehen von diesen Abstufungen und vom Pocket Cam, DigiCam-Handy und was, sind Geschmack und Befindlichkeiten. Also ich sage immer, ihr müsst rausgehen, bevor ich eine Kamera kauft, nehmt es die in die Hand und probiert es die aus. Und ich habe professioneller Wege sehr oft unterschiedliche Kameras in der Hand und Brands auch unter ihnen in der Hand. Und mit manchen bin ich auf Anhieb verliebt und sage, das ist es, das brauche ich, das ist super. Und manche, die vielleicht günstiger werden oder besser von den Specs, mit denen werde ich nicht farmen. Und die werde ich halt dann nicht nutzen oder auch nicht so gut nutzen oder so oft nutzen, wie sie genutzt werden sollte. Und dementsprechend ist das auch so ein bisschen eine persönliche Vorliebengeschichte. Geschweige denn vom Brand Affinity.

SPEAKER_01

Naja, natürlich, das glaube ich auch, ja, dass natürlich die Kamera, die ihnen anspricht und die ihnen besser gefällt. Also da gibt es schon verschiedene Kameras, gute Auswahl am Markt, verschiedene Kameras, die sehr gleichwertig sind eigentlich in der Leistung, aber einfach durchaus andere Leute ansprechen. Ich würde auch sagen, was ganz wichtig ist, immer meine erste Frage, wenn ich sowas höre, was willst du, was wollen sie fotografieren? Zum Beispiel, ist es Reisefotografie, ich fahre auf Urlaub und brauche eine Kamera. Dann möchte ich sehr flexibel sein, vielleicht auch nicht allzu viel tragen müssen. Dann ist deine Bridge-Kamera, das ist eine Kamera, die ist so groß wie eine spiegellose Systemkamera, aber mit festem Objektiv, nicht mit Fixbrennweite, meistens mit Zoom. Oder eine Kompaktkamera mit einem großen Zoom, eine gute Wahl. Oder auch eine kleine Spiegellose mit einem Travel-Zoom. Das heißt, eines, das eine große Brennweite abdeckt im Zoom-Bereich und ich für viele Möglichkeiten und Einsatzszenarien verwenden kann. Möchte ich Streetphotographie zum Beispiel fotografieren, viele schwörender auf eine Fixbrennweite, 35 mm, ist das ja angesagt. Es kann natürlich aber auch eine Kamera mit einem kleinen Zoom sein, wobei bei der Streetphotografie üblicherweise gilt, der Zooms sind die eigenen Füße. Man soll sich sozusagen bewegen, damit man das Motiv besser ins Bild bekommt, in diesen 35 mm-Rahmen. Ja, und so gibt es natürlich ganz viele verschiedene Einsätze, die verschiedene Kameras erfordern, meiner Meinung nach. Da glaube ich auch, dass letztlich, wenn ich viel fotografieren möchte, es keinen Weg daran herumgibt, vielleicht doch mehrere Kameras zu besitzen. Was meinst du da, Cliff?

SPEAKER_03

Absolut. Also ich bin da ganz bei dir, man fängt ja meistens einen mit einem Allrounder an. Also man kauft sich was, mit dem man deckt, da decke ich fast alles ab und stellt dann fest, naja, was wäre schon schön, wenn ich noch einen Weitwinkel hätte oder was Kleineres oder was leichteres oder was mit mehr Megapixel. Und man beginnt so, diese Lücken dann wieder zu fühlen, die sich im Equipment-Schrank quasi befinden. Und ich finde, das ist auch komplett die richtige Vorgehensweise. Ab und zu treffe ich Kollegen und Kolleginnen, die haben halt einmal das ganze Geschäft leer gekauft und haben wirklich alles, drei Bodys und 50 Objektive und sonst was, freuen sich sehr, aber sind dann teilweise fast überfordert und wissen gar nicht, was damit machen. Oder das verstaubt dann irgendwo wieder in Kammel oder so. Ich finde den anderen Ansatz viel, viel eleganter. Schauen, mit wie wenig Equipment man auskommt, um das zu machen, was man machen möchte. Und das ist jetzt halt wieder sehr, sehr Use Case-abhängig, wenn du gesagt hast, Street-Fotografie, da denke ich automatisch sofort an eine Like, weil das nicht nur Street, sondern auch cool und stylish ist und mir auch vom Design her gefällt. Aber der große Vorteil da ist auch, dass du eine sehr kleine und sehr elegante Kamera hast. Wenn ich da mit einem riesigen Vollformat-Body mit irgendeinem 2470 herumrenne, das ist halt auffällig und da wirst du nicht so elegante Street-Szenen fotografieren können, wie wenn du eine kleine Kamera dabei hast, eine Fuji, eine Leiker, eine irgendwas handliches. Und genauso sehe ich es auch bei mir in der professionellen Welt. Was viele Brands ungern hören, ist, man kommt mit sehr wenig Equipment aus. Wenn ich sage, ich würde mich jetzt reduzieren müssen, dann würde ich mir einen halbwegs günstigen, modernen Vollformat-Body zulegen. Und die gibt es inzwischen tatsächlich schon sehr günstig in der Einsteigerklasse, mit voller Leistung, weil es sind dieselben Chips und Sensoren drinnen. Ich würde mir einen Allround-Zoom, so ein 2470, kaufen und im schlimmsten Fall einen Blitz. Und dann könnte ich eigentlich fast alles machen. Da kann ich Porträts machen, ich kann mir Essen fotografieren, ich kann Events abdecken, ich kann Social Media sowieso alles machen, Corporate machen. Also mit diesem Mini-Setup hast du eigentlich fast alles abgedeckt. Und wenn du dann feststellst, oh, ich brauche was Weittägliches, weil ich mache jetzt noch Landschaften oder irgendwelche Hochhäuser, Architektur oder sonst was, dann kann man das gut ergänzen. Und ein zweites Problem, was ich da oft habe, ich tendiere ja dazu, wie sehr, sehr viele, mir immer das Neueste kaufen zu wollen. Wenn jetzt ein neues Objektiv rauskommt, das ich schon habe, aber da steht dann Mark II hinten oder Pro oder sonst irgendwas, denke ich mir teilweise, ja, natürlich brauche ich das. Das ist ja, ich bin ja Pro, brauche ja. Aber es ist in Wirklichkeit, da passiert nichts. Also ich mache deshalb nicht bessere Fotos und wenn ich diese Brennweite eh schon habe, ja, natürlich schaut es besser aus und natürlich ist es vielleicht noch ein bisschen wasserresistenter und schöner und zoomed, eleganter. Aber fotografisch wird das bei mir relativ wenig verändern. Da wäre, glaube ich, ein gescheiterer Ansatz, ich kaufe mir ein ganz anderes System oder eine kleinere Kamera oder irgendwas anderes, was ich nicht schon habe, um das ein bisschen mehr auszunutzen. Und wie wir vorher gesagt haben, die Kamera als Werkzeug. Das heißt, ich werde für jeden Task mir mein passendes Werkzeug zulegen. Es gibt ja auch das Schweizer Taschenmesser, wo quasi alle Werkzeuge drin sind. Aber ich muss gestehen, ich bin mit einem Schweizer Taschenmesser noch nie glücklich geworden. Also sowohl das Taschenmesser selber, weil dann halt alle Tools da so klein und fummelig und eh nicht richtig sind. Und halt auch bei diesen eiligenden Wollmichshaus Kameras, die alles können und klein und kompakt und leicht und günstig sind, weil es fehlt dir halt immer etwas. Also ich bin wirklich jemand, der sagt, okay, ich habe drei, vier verschiedene Aufgaben und dafür habe ich meine Werkzeuge und die baue ich mir dann zusammen für was ich brauche. Aber von den Klassenhörern hast du vollkommen recht. Es gibt von groß und viel bis relativ klein und kompakt günstig alles. Und es kommt immer wieder zurück, weil ich versuche als geistig diese Frage zu beantworten, die ganz sicher auch viele unserer Hörer stellen wollen. Welche Kamera soll ich mir denn kaufen? Das ist keine einfache Antwort. Das ist ein längeres Verkaufsgespräch, weil in Wirklichkeit musst du fragen, wie viel, also es fangt dir mal an, mit wie viel Budget hast du zur Verfügung. Das schränkt dir schon mal ein. Wenn Budget keine Rolle spielt, dann was willst du denn damit tun und wie viel bist du bereit herumzuschleppen? Weil das ist halt auch wieder das. Ich liebe mein Equipment, aber 10 Kilo Equipment im Rucksack oder im Wagel herumschleppen, macht man nicht immer. Besonders nicht, wenn ich wandern gehe oder kurz in einen Prater oder sonst was. Das werde ich nicht mitnehmen. Das heißt, wenn das schon wieder ein Hindernis ist, warum ich mein Werkzeug nicht mitnehme, bin ich vielleicht mit einem kleineren, handlicheren Werkzeug, das ich tatsächlich auch mitnehme und verwende, viel besser ausgestattet. Und dann geht es in die Richtung, und was willst du jetzt fotografieren und Sport und Tiere, Hunde essen? Und dann kann man darüber reden, von Brennweiten bis Kameraspecs, was macht denn da am meisten Sinn?

SPEAKER_01

Ja, ich glaube auch. Also das Budget ist natürlich immer ein ganz wichtiger Faktor. Und weil du vorher gesagt hast, Street Photography zum Beispiel, du denkst an die Leiker, dann denke ich an die Leica Q3 zum Beispiel. Ich glaube, die Kamera kostet 6000 Euro ungefähr.

SPEAKER_03

Ist auch ein Fashion-Statement, ne? Da ist man dann.

SPEAKER_01

Ja? Und ist auch eine gute Kamera, möchte ich hier schon sagen. Aber natürlich hat ihren Preis. Und da gibt es natürlich dann auch Alternativen. Es gibt andere Kameras, die anders sind und weniger kosten. Da muss man dann halt schauen. Da meine ich eben ein guter Ansatz ist, man geht zu einem Händler und versucht die Kamera, die man in die nähere Auswahl, die Kamera, aus die man in die nähere Auswahl gezogen hat, vielleicht auszuprobieren. Also wenn das möglich ist, das ist eigentlich die beste Variante. Vor allem bei den teureren Geräten, muss ich sagen, damit man ein Gefühl, ein Gespür für die Kamera bekommt und ob sie einem auch vom Handling, vom Formfaktor, von all, was so dazugehört, zusagt. Und natürlich sollte man ein paar Testbilder machen und dann kann man sich, glaube ich, viel besser entscheiden, als man entscheidet nur vom Prospekt aus. Absolut.

SPEAKER_03

Und um da gleich wieder rein zu springen, ich würde da tatsächlich raten, geht zu einem Fachhändler. Also geht es zu wirklich einem der größeren Kamerastores in eur Stadt und nicht zum riesen Supermarkt, der zufälligerweise irgendwo eine Kameraangebot hat. Dort stehen zwar meistens auch motivierte Promotoren, aber die haben entweder den Auftrag, eine bestimmte Kamera zu verkaufen oder kennen sich halt nur bedingt aus oder fragen dich nicht, was willst du denn damit machen. Weil in dieses Gespräch wirst du bei jedem größeren Kamerastore haben, da wird dich jeder fragen, was wollen sie denn, was brauchen sie? Ah, da haben wir die drei Dinge, schauen Sie es sich mal an. Und was genau in dasselbe Kerbe schlägt, ausprobieren. Also man kann, wenn man in größere Investitionen tätigt, die Kameras meistens irgendwo ausprobieren. Bei Messen, bei Workshops, bei Händlern. Es gibt Digitalkameraverleih und dergleichen, wo man sich wirklich die Kameras für einen Tag für relativ wenig Geld ausborgen kann. Und es ist ganz, ganz wichtig, dass man das tut und schaut, ob man mit der Kamera zurechtkommt und ob sie das erfüllt, was man sich vorstellt. Also ich habe zum Anfang meiner Karriere ab und zu halt ein unglaublich teures Objektiv gekauft, weil man gedacht habe, ah, dann kann ich das und das noch viel besser fotografieren. Und es gibt halt so Brennweiten, mit denen ich nicht warm werde und die stehen seit zehn Jahren im Kasten und verstauben. Weil verkaufen es zu schade, weil das brauche ich sicher irgendwann einmal, aber verwenden tue ich es nicht. Und genauso wie keiner ein Auto kaufen würde ohne eine Testfahrt, würde ich wirklich jeden dazu raten, mal eine Kamera auszuprobieren und zu machen und auch vielleicht unterschiedliche Brands durchzuprobieren. Weil es gibt ja für fast jede Anwendungsklasse, die wir jetzt besprochen haben, von fast allen Herstellern gleichwertige oder ähnliche Produkte. Manche haben ein bisschen mehr, manche ein bisschen teurer. Aber in den Preisklassen, Leistungsklassen gibt es da sehr Vergleichbares. Und manches Mal ist es die Menüführung oder wo ein Button sitzt oder eben die Brand, die mir halt zusagt und auch da ein bisschen vergleichen.

SPEAKER_01

Wobei man dazu sagen muss, dass bei den Kameras mit Wechselobjektiv die Entscheidung für eine Marke dann etwas Längerfristiges ist. Denn wenn ich mich dann mal entschieden habe, ist es halt so, dass ich bei dem System bleibe. Es gibt dann meistens Objektive auch von Drittanbietern, aber das ist dann schon eine Entscheidung, die länger anhält. Das sollten wir nicht vergessen. Bei Kompaktkameras ist das natürlich anders.

SPEAKER_03

Absolut. Und ich finde, es ist also einerseits natürlich in den Gear und die Objektive, die du drauf schrauben kannst und die ganzen Zusatzsachen, die du dir dazu kaufst. Aber es ist auch einfach im Workflow, im Handling. Geht das, wer heißt die Files alle gleich? Kommen da unterschiedliche Fileformate raus? Kann ich das mit derselben Software aufmachen und bearbeiten? Kann ich das in meinen Archivieren? Ich mag es, unterschiedlichste Kameras im Einsatz zu haben, aber es ist manches mal ein bisschen frustrierend, weil wenn man halt in einer Welt gerade drin ist und da super float, dann ist es halt wirklich ein Umsteigen in ein anderes. Und ich finde, der Vergleich mit dem Autofahren trifft sich gut. Wenn du jahrelang in deinem Auto gefahren bist und dann halt plötzlich ins Auto des Nachbarn steigen musst und der hat halt eine andere Marke und ein bisschen anderes Dings, man fahrt halt komplett anders. Sehr geschweige dann, dass man kein Gefühl für die Größe des Autos hat, bis hin so, wo ist denn welcher Knopf und so. Es ist halt mit der Kamera genauso. Und ich finde das, was wir einfangs gesagt haben, die Kamera ist ein Werkzeug ein wirklich sehr, sehr guter Vergleich. Der Fotograf oder die Fotografin macht hier nach wie vor das Foto mit dem Werkzeug. Und je weniger ich mich mit dem Werkzeug beschäftigen muss und kämpfen muss und mich streiten muss, desto mehr kann ich mich auf die Street-Szene oder auf meinen Kunden oder sonst was konzentrieren. Und das führt ja im Endeffekt dazu, dass die Bilder besser werden. Das heißt, hier mein Tipp, ja, probiert es alles aus, aber findet etwas, wo euch zu Hause fühlt und nehmt euch die Zeit, dann heimisch zu werden und das zu lernen und zu verinnerlichen, damit man halt dann wirklich sich auf die Welt um einander herum konzentrieren kann, damit man diese schönen Fotos zusammenkriegt. Alle, die schnelleres fotografieren, keine Ahnung, die Tierfotografen, die Sportfotografen, die Leute, die einen Hochzeitskuss verpasst haben, weil sie versucht haben, Blende zutauschen oder sonst umzustellen, die wissen, je safer ich bin, je schneller ich umwandeln, arbeiten kann, ohne drüber nachzudenken, desto besser werden die Bilder. Eigentlich fast unabhängig von dem Equipment, was ich habe. Weil, sagen wir uns ehrlich, von den Einsteigerkameras bis zu den Top-Modellen, wir haben das Glück, in einer Zeit zu leben, wo die Technik so gut ist und so viel verzeiht, dass es teilweise halt wirklich nur noch Nuancen sind oder ganz besondere Fachanwendungen, die da entscheiden.

SPEAKER_01

Das stimmt. Mir hat der Vergleich sehr gut gefallen mit dem Auto. Also man kommt dann in ein neues Auto, man kann es zwar fahren, aber es braucht eine gewisse Eingewöhnungszeit. Und so ähnlich ist es mit einer Kamera, mit einer anderen Kamera, anderer Marke. Das Menü ist anders, die Anordnung der Tasten ist anders. Und da bin ich ganz auf deiner Seite, dass es wichtig ist, sich mit seiner Kamera intensiv auseinanderzusetzen und sie sozusagen im Schlaf bedienen zu können. Gerade, also nicht nur bei Streetphotografie, eigentlich immer ist es gut, wenn man nicht überlegen muss, wo finde ich den Knopf, was muss ich jetzt machen, wo ist die Einstellung. Das muss wirklich ruckzuck gehen, sozusagen eingeübt, eingefüllt sein. Und dann kann man mit seiner eigenen Kamera auch wirklich schnell und reagieren und gute Fotos machen. Davon bin ich überzeugt.

SPEAKER_03

Absolut. Also der Autovergleich trifft es sehr gut. Wenn man drin sitzt und sich überlegen muss, oh, wo ist denn die Bremse? Es ist gerade was passiert, dann ist es höchstwahrscheinlich nicht ideal. Die Bremse sagt mit dem Jahr. Ja, aber genauso wie man den Auslöser und die Ison-Blende und sonst was finden muss. Und manches Mal sucht man das. Also gerade bei unterschiedlichen Brands, da stehe selbst ich als Profi ab und zu zehn Minuten denke man, wo ist denn das Ding? Wenn man es gefunden hat, ist eh klar. Und wenn man sich daran gewohnt hat und die Muscle Memory wieder mitspielt und so, dann passt es eh, aber ja.

SPEAKER_01

Ja, also mir hat auch sehr gut gefallen, das mit dem möglichst mit der minimal Ausrüstung auszukommen. Das ist eine gute Sache für Einsteiger auch, ja. Also für Profis ja wohl auch, aber auch für Einsteiger, die am Anfang sagen, okay, ich kaufe mir mal eine Kamera, entscheide mich und von dort an gehe ich dann weiter und kaufe mir mehr Equipment, so wie ich halt merke, dass ich es benötige, dass ich es brauche. Nicht gleich am Anfang alles kaufen und dann vielleicht nicht verwenden.

SPEAKER_03

Und um da nochmal rein zu quitschen, ich sehe es leider manches mal bei mir selber, neues Equipment macht nicht automatisch bessere Fotos oder neuere Fotos oder coolere Fotos. Da ist man manchmal besser bedient, in sich selbst zu investieren, dass man sich mehr Zeit nimmt, an Buch kauft, an Kurs besucht oder sonst irgendwas in die Richtung, als dass man sich wieder das neueste Spielzeug kauft, besonders wenn man das alte noch nicht ausgereizt hat. Aber ja, also die wichtige Version ist ja, dass wir wissen als Fotografen und Fotografinnen, wir machen das Bild. Wir müssen das Licht lesen, wir müssen mit den Personen umgehen können, wir müssen die Szene erkennen, das Bild gestalten und dann im Sekundenschnelle mit unserem Tool, mit unserer Kamera das Bild machen können. Und da ist eigentlich fast wurscht, was du als Kamera hast, weil das drumherum musst du beherrschen. Und je besser du dein Werkzeug beherrschst, umso besser funktioniert es.

SPEAKER_01

Stimmt. Und dann gibt es natürlich noch einmal zurückkommend auf die Einsätze, du hast das am Anfang schon gesagt, Actioncam und Drohnen zum Beispiel. Also wenn ich Fotos von oben machen möchte, ist eine Drohne die Kamera der Wahl. Es gibt ganz große Drohnen, da kann ich dann die Kamera unten dran schnallen. Nicht jede Kamera, aber doch die landläufig üblichen Modelle der großen Hersteller. Nur die kostet sehr viel. Die Bedienung der Drohne braucht eine Ausbildung, das kostet alles Zeit und Geld als eine Drohne einfacher. Genauso Unterwasserfotografie in Actioncam kann das sehr gut. Natürlich gibt es Unterwassergehäuse. Da muss dann halt jeder entscheiden, was er wirklich braucht. Aber man sieht, das sind einfach Einsätze, die auch verschiedenes Equipment erfordern und verschiedenes Zubehör vielleicht auch. Ja, ich möchte es einfach hier noch einmal quasi zusammenfassend sagen. Wichtig ist, dass man die Kamera ausprobiert, bevor man sie kauft. Hier sind wirklich Fachhändler wichtig, aber auch die Messen zum Beispiel. Bei Foto-Fachhändlern gibt es immer wieder Messen. Es gibt die Foto Adventure, es gibt Fotomessen. Also hier besteht die Möglichkeit, das auszuprobieren. Und ja, dann wird man wohl seine Kamera finden, davon bin ich überzeugt. Und viel Spaß damit haben.

SPEAKER_03

Du, Klaus, bevor wir uns verabschieden, ich brauche eine neue Kamera. Was würdest du mir empfehlen? Die soll möglichst alles machen. Hast du da einen Tipp für mich?

SPEAKER_01

Das war jetzt eine gute Frage, mit der ich nicht gerechnet habe. Genau das, was ich gerade gesagt habe. Schau dich um, hör dich um, vielleicht frag bei den Leuten, die du kennst, schau im Fachhandel nach, lass dich beraten. Das ist meine Empfehlung schlechter, finde ich zum Beispiel, wenn man sagt, okay, ich habe online, da gibt es so Online-Händler, wir kennen sie alle, beginnt mit A, dann kaufe ich da etwas und dann wird das geliefert, dann passt das so nicht, das hat online ganz anders ausgesehen, dann muss ich es wieder zurückschicken. Das ist alles sehr mühsam, da bestelle ich ein neues. Es geht wirklich einfacher und schneller, wenn man vor Ort in einem Fachhandelsgeschäft ist.

SPEAKER_03

Absolut. Und die Frage hat ihr gezeigt, es gibt blöderweise keine einfache Antwort mit, kauf dir die Kamera, die kann alles und ist perfekt für dich, sondern es ist ein bisschen ein längeres Gespräch und an Selbstfindung auch, was will ich denn mit dem Gerät so alles tun. Gut, danke vielmals für einen interessanten Austausch, Klaus. Finde ich super. Ich werde in Zukunft jeden den Link zu diesem Podcast schicken, wenn es heißt, was soll ich mir denn kaufen? Ich hoffe, das macht meine Arbeit ein bisschen einfacher. Ja, super. Danke. Ciao. Ciao.

SPEAKER_02

Wir haben uns gefreut, dass ihr dabei wart und hoffen, es hat euch gefallen. Bis zur nächsten Folge des Fotoobjektiv Podcasts von Kliff Kapertals und Gas Lorbeer.