Pixel & Objektiv
Pixel und Objektiv, wo Bilder sprechen und Fotografen plaudern. Der Podcast von Klaus Lorbeer, Chefredakteur des Fotoobjektiv-Magazins und Cliff Kapatais, Fotograf und Agenturchef. Pixel & Objektiv beschäftigt sich mit Fotografie in all ihren Facetten und wendet sich sowohl an alle, die selbst fotografieren, wie auch an jene, die sich für Fotografie interessieren.
Kontakt: pixel.talk@fotoobjektiv.at
www.fotoobjektiv.at; www.pixelcoma.at
Pixel & Objektiv
Im Interview: Wolfgang Gangl über visuelles Geschichtenerzählen, seinen speziellen Stil und die Welt der Galerien
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Der Steirer Wolfgang Gangl zählt zweifellos zu den renommiertesten Fotografen Österreichs. Der vielfach ausgezeichnete Künstler holte erst kürzlich bereits zum zweiten Mal in Folge den Gesamtsieg bei den Federation of European Professional Photographers Awards.
Mit seinen meisterhaft inszenierten und perfekt beleuchteten Bildern erzählt er Geschichten aus Mythologie oder Märchen auf ganz eigene Weise – reduziert auf ein einziges, kraftvolles Motiv. Damit feiert er international große Erfolge und begeistert zunehmend auch die heimische Kunstszene.
Im Podcast spricht Wolfgang Gangl nicht nur über seine Werke, sondern gibt auch spannende Einblicke in die Welt der Kunstfotografie und Galerien.
Im Podcast erwähnte Ausstellungen:
Art Austria
Wann: 7.5.–10.5.
Wo: Palais Auersperg, Wien
Solo Exhibition "Infinity!"
Hofgalerie Steiermarkhof
Wann: 27.5.–23.7.
Wo: Ekkehard-Hauer-Straße 33, 8052 Graz
AAF Vienna
Wann: 28.5.–31.5.
Wo: Marx Halle Wien, 1030 Wien
Weitere Ausstellungen von Wolfgang Gangl sind aufgelistet unter www.wolfganggangl.com/i-n-f-o/exhibitions
Pixel und Objektiv, wo Bilder sprechen und Fotografen plaudern. The Podcast von Klaus Lorber, Chefredakteur des Foto Objektiv Magazins und Cliff Kappertheis, Fotograf und Agenturchefus Herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von Pixel und Objektiv.
SPEAKER_02Mir gegenüber sitzt wie immer Klaus Lorber.
SPEAKER_01Hallo. Und ich, Cliff Kapperteis, bin auch wieder am Start. Und wir sind heute nicht zu zweit, sondern zu dritt, weil wir einen ganz besonderen Gast haben, auf den ich mich schon sehr freue und auf seine Insights, die uns präsentiert.
SPEAKER_02Und zwar haben wir Wolfgang Gange. Hallo. Schön, dass du da bist. Danke für die Einladung. Vielen Dank. Hallo. Du, bevor ich mit Lobhymnen auf dich starte, was du alles gemacht hast, kannst, bist und gewonnen hast, magst du dich einfach mal selber kurz vorstellen, wie du das siehst? Und dann ergänze ich das einfach. Wie ich das sehe. Okay, ja. Also ich bin der Wolfgang Gangel, ich komme aus Faselsberg bei Graz, bin 1977 geboren, da schrecke ich mir fast dafür. Und bin Fotograf, so in aller Kürze. Alles klar. Das heißt, also da können wir gleich wieder mal reinspringen und reingritschen. Du bezeichnest dich selber noch als Fotografe. Viele kennen dich als Künstler, würde ich jetzt einmal sagen. Ja, also wenn mich jemand fragt, was machst du so, wenn man so irgendwas so trifft und so, was machst du denn du so, dann sehe ich mich schon als Fotograf. Ich bin dem Handwerk des Fotografischer sehr zugeneigt.
SPEAKER_01Okay.
SPEAKER_02Du lebst aber, wir haben vorher ein bisschen Quatsch beim Café, du lebst aber in Wirklichkeit nicht mehr von der Auftragsfotografie, sondern verkaufst deine Bilder als Kunstwerke aus den internationalen Kunstmessen und Mehrwerten dieser Welt. Ja. Das heißt, man darf dich auch durchaus ein bisschen als Künstler bezeichnen. Könnte man durchaus sagen, aber Künstler ist so ein großes Wort, finde ich immer so. Künstler. Künstlerischer Fotograf, sehr schön. Jetzt nähern wir uns an. Du magst du mal erzählen, wie kommt man in diese Welt? Was hat dich zur Fotografie gebracht und wie war dann der Schritt von der Fotografie, von der klassischen Auftragsarbeit, von der Hochzeit bis sonst was hin, zu einer Kunstgalerie? Okay, ja, es ist nämlich ein relativ weiter Bogen. Zu Fotografie bin ich gekommen, irgendwie mit sechs, sieben Jahren, dass der Freund von meinem Vater mir mal eine alte Kamera in die Hand drückt hat, so wo man hinten dann den Film als Kassette reingegeben hat. Und bei dem bin ich herumgelaufen und im Speckgürtel von Graz haben wir einen kleinen Bauernhof gehabt und meine Mutter waren sie am Feld, da habe ich alles jeden Schritt quasi dokumentiert. Für sie war es die Hölle, für mich war es eine große Freude. Und irgendwann hat man einmal dann den Film zum Entwickeln braucht, dann ist er dann zurückgekommen und dann war es so ein ganz besonderes Erlebnis, kann ich mich erinnern, so das Aufmachen von diesen Curve und dann waren diese kleinen, eigentlich sehr viele unscharfe Bilder drinnen und dann dachte ich mir, was war denn das jetzt eigentlich und was habe ich mir da gedacht dabei? Aber das hat mich echt geprägt. Im späteren Leben, dann so zu 16, 17, 18 als junger Erwachsener, dann hat mir andere Interessen gehabt. Es hat schon immer eine Kamera gegeben in meinem Leben, aber das war nicht so ein großes Ding. Später dann war ich unselbstständig tätig und bin dann, ich glaube 2016 auf 17 erkrankt und habe irgendwie gedacht, ich muss mir meinem angebrauchten Leben was anderes machen. Und habe dann wieder gedacht, ich versuche, so einen negativen Stress wegzuhalten und bin so zurück zur Jugendlebe, zur Fotografie. Und damals war ich die Fotografie dann schon frei in Österreich. Das ist ja nicht so ewig lang noch, dass es ein freies Gewerbe ist. Habe dann einen Gewerbeschein gelöst und war dann erstmal Berufsfotograf und stolz. Aber binnen einem halben Jahr bin ich dann schon recht schnell drauf gekommen bei der ersten Hochzeit und dann mal eine Taufe und dann vielleicht einmal irgendein Produktshooting für eine Firma. Da bin ich schnell drauf gekommen, oh, das ist eigentlich nicht meine Welt, weil ich eine sehr eine klare Idee gehabt habe, wie meine Bilder zum Ausschauen haben. Und das ist eigentlich für alle Beteiligten kompliziert, nämlich für den Auftraggeber, wenn es eine Agentur ist, auch oft auch, wenn es ein Kunde ist, auch für einen Kunden. Ich habe das an meinem Dickschädel und ich komme eigentlich aus dieser Rolle kaum raus. Also ich habe eine Idee und verfolge diese Idee und das ist nicht immer kompatibel mit dem Auftraggeber. Und wenn ihr sehr schnell gemerkt, oh, das ist nicht mehr Welt, dann hat zu meiner Frau gesagt, ich glaube, so wird das nichts. Und habe gesagt, was heißt, lass uns mal Bilder machen, so wie uns, also meiner Frau und mir das taugt, mit dem egoistischen Ansatz eigentlich, dass unseren Kindern was bleibt, das sie ihren Kindern zeigen können, ob und um haben zu Lebzeiten die Fotos gemacht. Das war so die Idee. Und dann ist diese extrem reduzierte Fotografie, hat angefangen, auch mit diesen ausgestellten Kleidern, das ja in Wirklichkeit ein Jugendstrauma fast ist. Wir haben ja die OF1 und OF2 gehabt und einen Videorekorder. Und dort haben wir Sisi 1 bis 3 gehabt und es ist bei uns rauf und runter gelaufen und diese Kleider aus der Biedermeier-Zeit, diese ausgestellten Kleider, waren da nicht ein Thema und die sind mir in der Fotografie jetzt da tatsächlich geblieben, wenn ich mir mein jetziges Portfolio anschaue. Ja, und dann bin ich da reingerutscht mehr dahinter in diese Art der Fotografie. Und dann ist es fast der Zufall gewesen, dass dann irgendwie die Fotos auf der internationalen Bühne auf Bewerben erfolgreich waren. Und dann haben wir gesagt, oh, na schau, ist doch spannend. Und dann haben wir eigentlich da weitergearbeitet. Also so, das war der Beginn.
SPEAKER_00Es ist ziemlich mutig, weil manche Fotografen sagen, okay, ich mache meine fotografische Arbeit, um das zu finanzieren, was ich dann halt wirklich machen möchte und mache sozusagen beides. Und du hast eigentlich alles auf eine Karte gesetzt und gesagt, ich möchte jetzt das machen, was ich machen möchte.
SPEAKER_02Das tatsächlich war ich immer schon so und das war nicht immer gut, muss ehrlich sein. Also das erzeugt natürlich auch immer einen Bauchfleck, aber genau das braucht man. Also ich brauche das für mich. Wenn ich was in den Kopf setze, dann gehe ich den Weg und mache das bis zum Schluss. Und wenn es nicht funktioniert habe, dann habe ich zumindestens das Learning mitgenommen, das hat man nicht hinten hingehauen und dann kann man drüber nachdenken. Aber tatsächlich ist es ein Bauchgefühl, was ich eigentlich immer verfolgt habe.
SPEAKER_00Du hast ja deine Fotos, wenn man sich die ansieht, also die haben einen ganz prägnanten Stil. Man weiß sofort, das ist ein Gange. Und sie sind sehr ähnlich, irgendwie, aber trotzdem nicht langweilig, finde ich zumindest. Also auch jedes Bild erzählt eine andere Geschichte, eine Geschichte, die du oft auch dazu erzählst. Es funktioniert ohne deine Geschichte, finde ich das Bild, aber mit deiner Geschichte hat man mehr davon. Wie kommst du, also erstens, wie hast du diesen Stil entwickelt und du arbeitest und feist dir weiter dran? Und zweitens, wie kommst du immer wieder auf diese neuen Thematiken?
SPEAKER_02Okay, also den Stil entwickeln, das ist tatsächlich, das klingt immer so kompliziert und ich spriche ja so viel mit Fotografen, Kolleginnen und Kollegen und die sagen dann, ach so, wie kann man so einen Stil entwickeln? Erstmal, was bei mir das Stil entwickeln, ich habe das gemacht, was ich selber gerne mag. Ich bin ein großer Fan von Herrn Irving Benn, der in die 30er, 40er bis in die späten 70er die Woka was skizziert hat. Und wenn man das dann schaut, was der gemacht hat, der hat seitlebens nur das fotografiert, was er ihm taugt. Sehr eigenwillig, auch sehr reduziert, mit den Möglichkeiten, die halt früher die analoge Fotografie gehabt hat. Und jetzt ist es halt so, dass die digitale Fotografie viel mehr kann, ob schon wir so arbeiten wie früher, also so wenig wie möglich Photoshop verwenden. Also bei den Bildern ist in der Regel keines oder kaum eines dabei, das über eine halbe Stunde Photoshop-Zeit braucht. Wir bauen das wirklich alles am Set sehr mühsam, weil das für uns auch ein Handwerk ist. Also von mir, uns ist meine Frau Alexandra und ich, wir sagen, es ist ein Gemeinschaftsprojekt.
SPEAKER_00Ja, genau, Team, ja, ja, schön, ja genau, schön. Man merkt, dass du ein Perfektionist bist, bei den Bildern auch, ja. Und das, was du gesagt hast, merkt man also, aber wie lange brauchst du eigentlich, bis du so ein Bild erreicht hast oder fotografiert hast, das deinen Vorstellungen entspricht.
SPEAKER_02Okay, also das ist ja das eigentliche Fotografieren ist ja das letzte Element von einer Reise, die man da eingeht. Also meistens ist es so, dass du durch irgendeinen Impuls kriege ich eine Idee. Nehmen wir jetzt ein Bild her, zum Beispiel Mary Bobbins, das ist diese Dame mit den Schirmen, wo sie quasi mit den Augen unter den Schirmen verschwindet und der Schirm an sich überbelichtet, wie ein Portal erzeugt. Und da ist es so, dass man meine Tochter für die Schule etwas lesen muss, da von das Maufan an beim Schlafen gehen. Dann liest sie mir so Mary Bobbins-Geschichten vorne. Nürnberg, ich kenne das aus meiner Kindheit oder aus den Filmen, aber mir ist es dort bewusst worden, dass diese Mary Bobbins eigentlich nur ihre besonderen Kräfte und in den Schirm öffnet. Und für mich ist es dann dort gewesen, dass ich denke, die kommt wie aus einer anderen Welt. Dann ist diese Idee entstanden mit diesem Portal. Und malen kann ich ja nicht. Also ich tue mit Skizzen dann relativ schwer. Das heißt, ich spriche mir dann was aufs Handy drauf als Sprachnotiz und skizziere einmal so, was ich gerade fühle, was da meine Idee ist. Skizziere aber bei dieser Idee, denke ich, bereits in meinen Stil, wenn man das so nennen darf. Also ich habe eine ganz klare Idee schon, welcher Lichtformer kommt von wo, in welcher Höhe, wie könnte das ausschauen. Und das spreche ich mir aufs Handy und dann ein paar Tage später hören wir das nochmal an. Und wenn ich dann immer noch so brennt dafür, für diese Idee, dann geht es eigentlich ans Eingemachte, würde ich fast sagen. Also es geht dann darum, Modelbuchen, Requisiten organisieren und und und. Es ist aber auch sehr oft so, dass ich Ideen habe, für die komplett brennen. Und wenn ich es dann nicht zeitnah umsetzen kann, aus terminlichen Gründen, dann ist dieses Brennen flüchtig. Also das brennt nicht immer in mir und diese Idee finde ich nicht immer so gut wie im ersten Moment. Und ich habe mir dann so vor zwei Jahren oder vor drei Jahren noch fast ein bisschen gezwungen, einmal ein Sujet umzusetzen, für das ich damals richtig gebrannt habe, wo ich denke, da habe ich ganz motiviert auf mein Handy drauf gesprochen. Aber wenn ich am Set das nicht gleich fühle, wird das nicht so. Und das ist dann, ich fremde dann auch mit dem Bild und zeige es dann auch nie. Es gibt tatsächlich recht viele Bilder, die ich nicht zeige, weil das einfach für mich nicht mehr funktioniert, die Idee nicht mehr funktioniert. Und so sind die Geschichten getrieben und solche Impulse gibt es halt von Dokumentationen, von Büchern, von Leben. Irgendwann nehme ich was auf und denke mir, oh, das finde ich eine coole Idee, jetzt hat der Fotografenkollege unlängst erst erzählt, das hat einmal eine Babstin gegeben und die hat Johanna gehasen, so habe ich es gar nicht gewusst. Ist mir jemand am höchsten Abend auf Erden quasi aufgestiegen, eine Frau. Und das war dann ein richtiger Skandal und das ist dann auch verfilmt worden. Und das letzte Bild, was sie zeigt haben, ist diese fotografische Aufarbeitung dazu. Aber es ist so ein Impuls dann. Ich finde das immer super cool. Bevor wir uns persönlich kennengelernt haben, kannte ich ja nur deine Arbeiten. Und für alle, die es nicht kennen, wir verlinken natürlich wie immer in den Shownotes alles, wo man dich findet, damit man sich ein bisschen ein Bild machen kann. Aber es war wirklich, also man ist beeindruckt. Selbst als Fotografenkollegin schaut man sich an und sagt, wow, du hast einen wirklich eindeutiger Kennbarnstil. Also das ist auch so eine Sache, die immer sehr, sehr wichtig ist. Aber ich muss gestehen, schon so eine Briche, ich kann auch gar nicht anders. Also das ist so Flug und Sing gemeinsam. Es wird mir extrem schwer, dass man nicht ausbrechen müsste, weil ich denke, wie gesagt, in dem Stil, also wenn das der Stil ist. Das heißt, das bist du. Ja, das genau. Ja, ja, das bin ich, ja genau. Wow, sehr schön. Was ich da noch ergänzen wollte, die Bilder an sich sind schon so beeindruckend, aber wenn man dann die Story zu diesen einzelnen Bild erfährt, weil wir haben es dann einmal auf einer Messe getroffen und du hast mir gedacht, und das Bild weißt du, was eigentlich da gesehen hat. Und dann verstehst du erst einmal die Tiefe dieser Bilder, aber du denkst, ein paar Geilesfoto, und dann bist du, wow, da steckt wirklich viel Gedankenarbeit und perfektionelle Umsetzung auch dahinter. Also ziemlich beeindruckend bei der ganzen Sache. Oh, danke schön, danke schön, ja. Aber ich glaube, gerade wenn es dann in Richtung Kunstwelt geht, braucht man auch dieses Narrativ. Es reicht dann einfach nicht mehr, das eine Motiv oder das zweite Motiv, das irgendwann einmal geplant oder durch einen Zufall entsteht. Und sagen wir es so, so passiert es ja oft. Man macht eine freie Arbeit und hat eine Idee und handelt sich irgendwie am Set ran und hat ein gutes Model und die Stimmung passt gerade und dann entsteht irgendwie ein Bild. Das ist natürlich sehr schön und sehr nice, aber das muss man realistisch gestehen. Das reicht für die Kunstwelt einfach nicht aus. Ich glaube, du machst ja sehr viel Foodfotografieren, wenn man, wenn du gebucht wirst, dann hat ja der Auftraggeber eine klare Idee und dann gehst du mit einem völlig anderen Druck und einem anderen Mut auch hin, weil du musst dann am Ende des Tages liefern. Und das ist, da wird es dann schon schwierig. Und in dieser Welt ist es bei mir auch sehr ähnlich, darum sind wir uns ja auch sehr ähnlich. Ich habe so eine ganz klare Idee in meinem Kopf und ich komme von der Idee, aber beim Arbeiten nicht weg. Also wenn die Frage auftaucht, gibt es einmal was so nebenher, was irgendwie auch cool ist, was aus denen heraus entsteht. Das könnte es geben, aber ehrlich gestanden lasse ich das nicht zu. Also ich bin immer, ich bin immer wie besessen fast, fast für sie krank, ehrlich gestanden, dass ich das Verfolge, was ich in meinem Kopf habe und ich sehe dann links und rechts davon auch nicht viel. Spannend. Du, bevor wir da weiter reinspringen, weil ich habe da noch haufenweise Fragen dazu. Du bist ja jetzt in den unterschließten Galerien von Österreich, Schweiz bis auf Art Basel und überall vertreten. Und das wäre es ja für viele Kollegen und Kolleginnen so dieser utopische Traum. Irgendwann werde ich Künstler und dann stelle ich da draußen, dann verkaufe ich ein Bild um 5 Millionen und setze mich zur Ruhe oder sonst was wäre ich da. Zwei Fragen. Erstens, wie kommt man da hin? Weil du hast gesagt, du bist da so ein bisschen zugewandt, war das Zufall, bewirbt man sich, bist du entdeckt worden? Und zweitens, ist es dann so, dass man ein Bild verkauft um 5 Millionen und sich zur Ruhe setzt oder muss man da auch den Druck weiter? Also ich habe kein Bild für 5 Millionen verkauft, sonst kann ich das gar nicht sagen. Aber ich glaube tatsächlich nicht. Also ich muss ehrlich gestehen, für mich ist Geld schön, aber das ist nicht der Antrieb. Also Geld ist nicht der Antrieb, dass man das macht. Und falls jetzt irgendwer für die Zuhörer, Zuhörer auf die Idee kommt, ja, ich habe so Zweitverwertungsideen mit meinen Bildern, die ich irgendwie auf dem Computer habe und fange jetzt über Galerien oder über Messenverkaufen an, das funktioniert leider tatsächlich nicht. Also da gehört recht viel dazu. Und jetzt zum Ersten, wie kommt man eigentlich dazu? Ja, wie halt überall anders auch, ist es so, diese extra Meile gehen für mich. Also das ist so, wie man interessiert habe und dann gemerkt habe, okay, mit diesen Bildern, mit diesen sehr eindeutigen Bildern, die uns sehr gut gefallen, kann man, gibt es auch andere Menschen, die das gefallen? Das ist schon mal ein ganz großes Learning gewesen. Vielleicht mag das auch wer kaufen. Und es war dann so kurz vor Corona-Zeit, dass man die ersten Prints dann online verkauft haben, zum Beispiel bei Saji oder andere Online-Galerien, auch gerollt quasi so, wie halt dort verkauft wird. Also hat man schon gemerkt, okay, es gäbe eigentlich theoretisch einen Markt dafür, aber ich habe die nicht als skalierfähig eingeschätzt, weil diese Online-Galerien gerade zur Corona-Zeit haben dann irgendwie Tür und Tor geöffnet. Früher war das mal zu meiner Zeit, wie ich mich beworben habe, war das kuriatiert. Das heißt, man ob sie mit einem Portfolio bewerben müssen und ist dann aufgenommen worden oder eben nicht. Und das hat dann schon für eine gewisse Qualität gebürgt. Und mittlerweile sind diese Plattformen, also die ich jetzt kenne, allesamt offen. Und jetzt ist das einfach so wie bei Ebay-Messer, dann für die Werbung, für Marketing mehr oder minder selbstverantwortlich. Nur, dass er es dann einfach auch über eine Plattform verkauft. Dann kann ich irgendwie eine Webpage-Baukostensystem nehmen mit einem eigenen Shop und dann brauche ich das Sharing nicht eingehen. Also für mich war relativ früh klar, das ist nicht der Weg zu gehen. Ich brauche einen anderen Weg und zwar in den vermeintlichen und Anführungszeichen echten Kunstmarkt. Und dann war es so, dass ich einfach die Messen, die es in Österreich recht gut gibt oder auch im benachbarten Ausland, auf eigene Kosten einfach angreist bin und mir die Messen alle angeschaut habe. Und habe mir da dort Eintrittskarten gezogen für oft so viel Geld, weil sie sind gar nicht so billig, interessanterweise. Und habe mir dann dorthin gesetzt und habe dann einfach zugeschaut, was sind das für Leute, die da herumgehen, wann kauft denn da mal wer was und was kauft denn der und was ist so die Preisrange? Von was reden wir eigentlich in diesem Kunstmarkt? Und dann nachher recht oft auf kunstmäßig unterwegs war, lernt man dann einfach auch Leute kennen. Und irgendwann sagt man, okay, den kenne ich ja schon, dann gib mir mal die Hand und dann traut man mit denen. Und am Ende des Tages ist dann schon so gewesen, dass ich mich einfach bei einer Galerie beworben habe. Und in einem Gespräch mir erstmal gesagt, okay, ein loses Gespräch geführt. Und dann sagt er relativ schnell zu mir beim losen Gespräch, ja, dann probieren wir es halt einmal gemeinsam. Und dann war so eine völliger surreale Situation. Ich bin den Handfahren ruft mir eine Frau und sagt, du glaubst jetzt nicht, was jetzt passiert ist, der sagt einfach, probieren wir das jetzt einmal. Ich weiß jetzt gar nicht, was es jetzt bedeutet, aber wirklich, ist es jetzt mehr als wir bis jetzt gehabt haben. Ja, und genauso sind wir auch hineingerutscht. Also wenn es jemanden gibt, der in einer Galerie vertreten sein möchte, ein Portfolio zusammenstellen, dass man wirklich glaubt, es ist verkaufsfähig, eine PTF einfach an die Galerie schicken, ein paar Worte dazu, wer man ist. Es kann nichts passieren. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, man möchte sich keiner. Und in der Regel würde ich sagen, es kommt ein Nein oder vielleicht ein Idealfall ein Jahr zurück. Also es ist so richtig viel passieren kann oder nicht. Und dann ist der erste Schritt schon dann. Das ist immer so einfach, wenn man mal gesagt hat. Aber ist es manchmal, ja. Und ich glaube, das ist, was vielen teilweise so fehlt, einfach mal probieren und vertrauen und machen. Weil man schiebt, dass ich immer träumte, das mache ich irgendwann nochmal. Ja, das kann ich sagen. Oder dieser Selbstzweifel, bin ich gut genug dafür und funktioniert das dann wirklich? Also wenn man das wirklich will, kann man es durchaus machen. Es ist halt auch mit dem Neins umgehen lernen. Weil man pitcht, man wird es irgendwo dabei, man denkt sich, den Kunden hätte ich gern und dann kommt, nein, wir haben uns für wem einen anderen entschieden, der 16 oder einfach. Das tut weh. Und wenn man sich dann nicht dahin exponieren muss, dann angenehm Moment. Aber lernen tust du nur, wenn du quasi verlierst. Also ein Nein ist in dem Fall dann verloren, eben weil ich beworben bin, nicht aufgenommen worden. Und lernen tut man nur dann. Und wenn man sich dann ernsthaft damit auseinandersetzt, warum könnte der Nein gesagt haben, dann kommt nach in die Finie rein, dass man sich zuerst Galerien genauer anschaut, was haben die eigentlich für Künstler, was repräsentieren die normalerweise, was haben die für Kunst, was der Preisrange ist, das, was die Galerie anbietet, passiert überhaupt dazu. Und das muss man alles erst klären dann. Aber das braucht es einmal erstmal ein Nein. Eben. Und ich finde, das Nein ist ja manchmal auch anspannen, weil finde ich schon. Gerade wenn ich einen Nein kriege und sage, aber jetzt erst recht, dann probiert man sagen, das klappt. Du, Anders Schwenk, du bist jetzt, ich finde Artbasel immer so eine coole Geschichte, weil du mit der Banane, das ist hängen blieb. Und mein Bruder lebt mal her, mit dir erzählt immer die wildesten Geschichten von dem dort. Du bist sehr down to earth, also du bist sehr zugericht, du bist sehr nett, du bist der Mensch, lieb offen, mit dir können wir nochmal reden. Wie tust du dir auf solchen Ausstellungen? Weil da trifft man ja von bis, also vom Multimillionär, der am Bademantel kommt, bis hin zum gebildeten Kunstsammler, den Herrn Professor alles, oder? Ja, aber es ist ganz so schlimm, ist das nicht. Also der gebildete Kunstprofessor, die sie mag schon geben, sind aber nicht die typischen Kunden. Also erstmal ist es so in dieser Preis-Range, wo ich mich bewege, und es ist so zwischen 800 und 20.000, so in etwa, kostet der Kunstwerk von mir oder von uns. In dieser Preisrange begegnet man einfach junge Sammler, die mal frisch angefangen haben und die kaufen es ja mal für 790 Euro ein kleines Kunstwerk und kaufen vielleicht ein zweites dazu und die Eltern sagen dann, ja, ihr habt ja gemeinsame Wohnung, jetzt dürfen wir euch was dazu geben und sagen, hätte ich gerne ein Bild. Und dann haben die auf einmal Mitte 20-jähriges Bärchen drei Bilder und zelebrieren das dann und sind in diese Kunstsammlerwelt eingestiegen. Es gibt andere, die kaufen dann nur Originale, also Originale im Sinne von so stark limitiert, dass es nur Einzelstücke sind, weil sie sagen, da ist das höchste Wertsteigungspotenzial. Erstmal ist der Umgang, wenn der Kunde auf einer Messe auf den Künstler trifft, und es passiert ja nicht so oft. Künstler sind, wundert mich immer wieder, auf Messen eigentlich rar, sondern es ist eher so ein Galeriegeschäft, die eigentlich die Vertretungen haben und die machen das. Aber wenn der Kunde auf einen Künstler trifft, wird man in der Regel sehr, sehr positiv aufgenommen. Die Freien sie dann machen Fotos mit an, das ist irgendwie ein kleiner Star-Hype eigentlich. Also darum kommen wir auf Messen ganz gut zurecht.
SPEAKER_00Die Bilder, die du machst, die Fotos, müssen ja irgendwie auch aufs Papier kommen, damit sie dann verkauft werden. Und da habe ich gemerkt, dass du eigentlich auch hier schaust und Perfektionist, der du bist, dass hier die beste Lösung passiert. Ja, ich nehme an, wir können das hier sagen. Du hast ja eine eigene Druckmanufaktur, nennen die das auch in der Steinmark. Magst du was darüber sagen? Ich war auch schon mal dort und die sind wirklich sehr interessant.
SPEAKER_02Also eigene, die gehört nicht mir. Nein, nein. Aber ich trug ausschließlich im Art Studio in Draboch auf Chroma-Lux. Das ist ein hochwertiger Thermosublimationsdruck auf Aluminium, der für mich den großen Vorteil hat für meine Kunden, dass der Druck an sich UV-stabil ist. Das rahmen wir in einen feinen Holzrahmen mit einer feinen Schattenfuge. Und in dieser Qualität, was das Art Studio das liefert, habe ich kaum Druck hereingefunden, vor allem so, dass sie so auf einen einfachen Zuruf immer wahrgehaupt, die Creative so hochwertig ist, dass wir es anschauen und wirklich, wir haben noch nie einen Ausschuss gehabt. Das ist schon sehr bemerkenswert.
SPEAKER_00Wir haben einen Artikel darüber, im Fotoobjektiv gemacht, den werden wir ebenfalls in den Shownotes verlinken. Wer sich weiter dafür interessiert, kann dort alles weitere finden.
SPEAKER_02Du, und weil wir gerade so ein bisschen vom Business geredet haben, also ich bin nebenher so neugierig. Weil mich das ja ein bisschen interessiert. Du hast jetzt einmal grob die Range, wo sich deine Kunstwerke bewegen. Was verdient da eine Galerie? Was bleibt dir über? Muss man das versteuern? Ich kenne nur die wildesten Geschichten von man vernutzt den Kunstmarkt, um Geld zu waschen. Ist das Hollywood oder ist das echt? Wahrscheinlich Hollywood, vielleicht gibt es das auch irgendwo echt, aber ich kenne es nicht. Also die Medikalerien, ich werde jetzt momentan von drei Galerien repräsentiert und die sind sehr, sehr präzise in allen, was sie in allem, was sie machen. Was ich auch sehr sehr, sehr mag, ist, die verkaufen was, die schicke Rechnung und in deinem kommt das Geld. Das ist ja schon sehr angenehm alles. Müssten einige meiner Kunden mal. Ja, aber das ist die Wertschätzung der Künstler gegenüber und ich glaube, die Galerien leben natürlich auch davon, dass sie Künstler haben, die Kunst liefern, die auch verkaufsfähig ist. Damit machen die ja Geld, wo man dann schon beim Sharing sind, das ist jetzt natürlich auch ein bisschen individuelle Geschichte, aber wenn man mal anfängt und einsteigt, muss man sie mal vor 50, 50 Sharing einmal, das muss man sich klar sein, dass das die Galerie nehmen wird. Und dass die Ware, die dort in der Galerie hängt, in Großteil Kommissionsware ist. Das heißt, man produziert auf eigene Tasche. Wenn man das Glück hat, dass die Galerie das nimmt, dann hängt die das erstmal hin und wenn die es verkauft hat, zahlen sie die auf 50% vom Verkaufspreis. Je nachdem, was man ausmacht. Aber das ist einmal so ganz grob, die Geschichte, dass man sich mal einstellen kann, für was bedeutet das. Und es ist in Österreich, ist die Fotografie an sich nicht steuerlich und im steuerlichen Aspekt keine Kunst. Es hat einmal einen Basus gegeben, ich glaube bis 1929 Stück Limitierungen werden unter 13% verkauft, also unter den Kunstumsatzsteuer, das ist irgendwann in einer Novelle gefallen. Das heißt, im Prinzip, wenn man so über eine Galerie was verkauft, ist es ein B2B-Business, schreib es ganz normale Rechnungen mit einer Umsatzsteuer, der andere zieht die Vorsteuer ab und brech weiter, fertig an den Endkunden. Also das ist relativ simpel. Cool. Ich finde es immer spannend, wenn man so einen Einblick in andere Welten kriegt, weil der hat ja null Ahnung. Also ich meine, ich betreibe ein Business, ich lebe davon, ja. Aber dann denkt ja immer, das ist Karakärenwissenschaft. Das ist cool, einerseits spannend. Was ich auch cool finde, ist, du bist jetzt zum zweiten Mal Photographer of the Year geworden.
SPEAKER_00FEP Awards, Federation of European Professional Photographers. Wir gratulieren.
SPEAKER_02Also es ist nicht nur Kunst, sondern es ist auch tatsächlich hochgelobt worden von den offiziellen Fotografen anerkannte, sehr, sehr tolle Arbeit. Von den offiziellen Fotografen anerkannt. Es gibt immer die Welt zwischen Künstler und technisch schöner Fotografie. Und ich glaube, du hast von beiden Seiten so den Ritterschlag ein bisschen gekriegt. Okay, ja, ja, ja, ja. Ja, weil es bald überkommen ist. Wie geht man denn da jetzt mit dem Leistungsdruck um? Weil du musst ja, du musst das irgendwie wieder toppen, du musst dir noch bessere, du musst noch coolere Fotos, du willst dir noch schönere Kunstwerke erstellen. Okay. Wie lebt sich das so? Erstmal muss ich gar nichts. Okay. Das macht es schon leichter. Also wenn man so große Wettbewerbe wie den FEB, also nicht nur die Kategorie, die habe ich die letzten drei Jahre schon gewonnen, diese Illustration und Feinart, und dann eigentlich dreifacher Europameister bin, das ist schon nice, aber ich mache ja keine Bilder für einen Wettbewerb. Also die Bilder sind ja eigentlich aus dem normalen Övre gerissen und einfach beim Wettbewerb eingereicht. Also drüben relativ leicht. Aber für mich ist es so, der letzte FEB, er war das jetzt am letzten Samstag, also Stand heute, wenn wir aufnehmen, was sind wir heute, 26., 27. 28. so. Also Stand heute, wo wir das aufnehmen. Und ja, das war ja schon letzten Samstag. Also heute ist es eigentlich gar nicht mehr so richtig viel wert, weil die Frage ist eher, was kommt denn jetzt morgen? Und ich lasse solche Dinge auch nicht so viel an mir heran, muss ich ganz ehrlich gestehen, weil es würde wahrscheinlich dann einen Druck erzeugen, weil ganz so leicht zum Fotografieren und diese Leichtigkeit am Fotografieren, wie es vor vier, fünf, sechs Jahren war, ist es tatsächlich nicht mehr, obwohl weder eine Galerie noch sonst noch ein Kunde irgendwie einen Druck macht, aber den Druck legt man sich schon selbst ein bisschen auf. Und wenn man solche größeren, vermeintlich großen Preise an sich ranlässt und sagt, das war es jetzt und das muss man jetzt nächstes Jahr wiederliefern, dann wird es beliebig schwierig. Also das würde ich ja gar nicht machen wollen. Also erstmal muss ich da gar nichts.
SPEAKER_00Wie wichtig ist so ein Award für dich, für die Sichtbarkeit, dass man dich wahrnimmt als künstlerischer Fotograf, wie sehr hilft das bei deinem Business in den Galerien?
SPEAKER_02Schon sehr. Das muss man realistisch sehen. Also es ist so, in diesen Galerien, wo ich mich bewege, ist es ja so, dass ich leider, muss ich fast sagen, der einzige Fotograf dort bin oder einer der ganz wenigen Fotografen. Also es gibt gerade zum Beispiel bei der Backhouse-Galerie, gibt es noch, die haben noch Bilder von Kreuzung oder so. Es ist schon ganz großartige Dinge auch, aber in der Regel haben diese Kunstgalerien kaum Fotografien. Und entsprechend sind auch die Kunden, die dorthin kommen, die kommen nicht hin, um Fotografie zu kaufen, sondern die kommen dorthin, weil sie schöne Kunst sehen wollen und weil sie im Idealfall als Künstler sich da Kunst kaufen wollen. Und dann hilft natürlich schon, wenn man sagt, okay, das sind jetzt Bilder vom Herrn Gangl, wenn der Galerist durchgeht und der hat viermal den Bundespreis gewonnen und er ist dreifacher Europameister und hat zweimal den FEB, den Overall-Titel nach Österreich gebracht, dann hat es natürlich schon ein gewisses Standing auch. Das macht natürlich schon für den Kunden einen gewissen Eindruck, der sagt, oh, ja, das ist jetzt nicht nur Fotografie, sondern es ist ja vielleicht was Besonderes. Also dahingehend bringt das schon was, das muss man ganz klar sagen. Und Sichtbarkeit ist gerade in der Kunstwelt eigentlich das Um und auf. Also jedes Mal, wenn das Bild in irgendwelchen Zeitschriften ist und mein Namen dabei stellt und idealerweise noch die Homepage oder der Instagram-Kanal, das bringt auf alle Fälle was.
SPEAKER_00Also ich finde auch, du bist ganz wichtig für Österreich in der Entwicklung der Fotografie. Weil wie du richtig sagst, finde ich auch, Fotografie als Kunstform ist in Österreich noch nicht so anerkannt wie in manchen anderen Ländern zum Beispiel. Und da bist du ganz wichtig, dass du das mitentwickelst. Denkst du auch daran, bei anderen Wettbewerben noch teilzunehmen? Oder ist es das, wie sie es ist?
SPEAKER_02Ich sehe mich jetzt überhaupt nicht so als Wettbewerbsfotograf und auch die Entscheidung, dass ich beim letzten FEB nur in einer Kategorie mitgemacht habe, war eigentlich eine Impulsentscheidung, so ganz kurzfristig. Und ich denke jetzt nicht großartig, dass ich die Bilder jetzt bei anderen Bewerben einreichen werde. Heißt aber nicht, dass ich es nie machen werde. Es ist oft auch so eine Impulsgeschichte. Und mittlerweile ist es so, dass ich ganz gut unterwegs bin, dass wir viel herumreisen müssen von Messe zu Messe, von Venissage zu Venissage. Das ist einfach ein bisschen Zeitthema. Ich habe dann noch Familie und das nehmen wir schon heraus, dass ich möglichst viel Zeit mit der Familie verbringe, gerade die Kinder, die aufwachsen. Das ist schon eine großartige Geschichte. Du und Random Jump Guns woanders hin. Ich liebe deine Perfektion und ich liebe deine Technik dahinter und wenn man es schafft, unterhalten, wie du deine Biliogrie hast und die Geschichten, die du dir überlegst. Also es ist tatsächlich ein Kunstwerk, ein Macht. Also es ist jetzt nicht im Vorbeigehen fotografiert. Machst du nebenbei noch Schnappschüsse? Machst du Handyfotos? Hast du da andere Kamera? Machst du noch irgendwas? Nein, wenn wir unterwegs sind, macht euch alles mal Frauen mit dem Handy. Ja, ja, absolut. Und das Schlimmste ist, wenn man so eine Familienfeier oder so hat, dann sagt jeder, ja, komm, mach du ein Foto von uns, du bist ein Fotograf, ja genau. Und eigentlich ist das so am weitesten weg von dem, was ich eigentlich mache. Und ich muss halt gestehen, ich wäre so als, ich würde mal sagen, so fotografische Handwerke und ich würde es nicht negativ und nicht respektierlich sein, sondern ich habe wirklich viel Respekt für die Kolleginnen und Kollegen, die so einfach irgendwo hingehen, die Situation erkennen, die Kamera zücken und eigentlich ein gutes Bild machen. Ich könnte es nämlich einfach nicht. Das liegt mir nicht. Und ich fange selbst beim Familienfoto beim Buschenschrank am Tisch zu kompliziert werden an, dass er immer meine Frau sagt, ah, ich mach das nicht. Rettet dich aus der Frage. Ah, absolut, ja, ja.
SPEAKER_01Du, und wenn jetzt ein junger österreicher Fotograf beschließt, er würde gerne irgendwann einmal in New York, Miami, sonst wo ausgestellt werden.
SPEAKER_02Würdest du umraten und sag, ja, mach das und gäbe es da so zwei, drei Tipps, die du mir mitgibst oder sagst, vergiss es? Also absolut. Also wenn einer in diese Welt eintauchen will, das ist eine großartige, schöne Welt. Ich muss gestehen, es ist etwas schwierig zu verstehen. Die Mechaniken innerhalb der Kunst, der Kunstbusiness sind kompliziert oder vielleicht auch komplett undurchsichtig, da muss man sich ein bisschen reinleben. Aber wenn es einer machen will, machen. Und was ich für einen Tipp mitgeben kann, ist der Tipp, der eigentlich auch für die Fotografiewelt, ehrlich gesagt, gibt, ist Spezialisieren. Also das heißt, ich erkenne immer bei den Berufsfotografinnen und Fotografen, dass man in dieser Welt, wo es sehr viele Mitbewerber gibt, einfach irgendwie versucht, alles anzubieten, möglichst breit zu sein, um ja keinen Job zu verlieren, vergisst aber sehr schnell drauf, dass das durch diese Breite, die man auch in den Gegen von den Mitbewerbern mitspielt und dann automatisch der Auftrag über den Preisdruck funktioniert. Es ist einfach, es drückt direkt den Preis nach unten. Ich glaube, dass es viel besser ist, sie zu spezialisieren, hart zu spezialisieren, einen Bereich zu suchen, für den man wirklich selbst brennt, den man selbst gern macht, selbst gern sieht und dort in die Tiefe zu gehen und erstmal gar nicht vielleicht auch an Kunden, über einen Kunden nachdenken. Ich weiß, das klingt jetzt ein bisschen hart für Berufsfotografinnen oder Fotografen und sagt, okay, ich soll mal Fotografie machen und erstmal nicht an den Kunden denken. Aber erst dann, wenn ich frei bin, dann entwickle ich auch diesen Stil, den viele so lange suchen. Und wenn ich diesen Stil habe, dann ist es tatsächlich einfacher, Kunden zu finden, die gerne Bilder in meinen Stil hätten. Als wir andersrum einfach alles zu machen. Und alles zu machen, ist immer nur eine Mittelmäßigkeit. Und für Mittelmäßigkeit gibt es in einer Welt von einer generativen KI und von Handys, die enorm aufgeholt haben, einfach keinen Platz mehr. Man muss sie spezialisieren.
SPEAKER_01Du sprichst du da teilweise aus das Ziel? Schön. Ja, sehr herrlich.
SPEAKER_02Du, und weil du das gerade angeregt hast, ein Thema, über das wir vielleicht noch kurz reden sollen. Die gute KI. Wie stehst du zu der? Nutzt du sie irgendwo? Siehst du sie als Gefahr, als Konkurrenz oder ist sie dir wurscht? Also beim KI reden wir von generativen. Genau, also von Fotografien. Also ich glaube, an Werkzeugen ist es für mich, ich spriche jetzt mal für Werkzeuge ist es eigentlich auch kein echtes Thema. Mein Kamera-Equipment ist relativ alt. Mein gesamter Workflow ist weitgehend KI-frei. Also du magst jetzt in Capture One gibt es mittlerweile ein paar KI-Werkzeuge für Redusche, das ich eigentlich nie brauche, weil ich kaum retuschiere. Also das ist kein echtes Thema. Also ich glaube, Werkzeuge ist schon ein Segen, gerade für die Fotografie. Du kannst einige Bereiche geben, wo ich mir gar nicht so richtig gut darin auskenne, wo das durchaus helfen kann. Generative KI, da sehe ich es ehrlich, es stand ein bisschen anders. In der Kunstwelt ist es so. Ich sage das immer wieder, so Kunst kommt von können. Also ich glaube, dass ein großer Teil von dem Erfolg, den ich in der Kunstwelt habe, dass man doch recht über drei Galerien und fünf permanenten Ausstellungen ehrlich immer wieder oder fast in Tagesrhythmus Bilder verkaufen, ist dann geschuldet, dass es so viel wie möglich Handwerk ist. Und der Kunde reagiert auf sowas. Also wenn der Kunde ein Sammler reinkommt oder in eine Galerie reinkommt oder auf ein Mess hingeht und dann irgendwas Abstraktes oder was ein hochgezüchtetes Bild und ein perfekt letartiertes Bild zieht, und dann nur ein Funken darüber nachdenkt, dass das vielleicht sein Enkel auch machen könnte mit irgendeiner generativen KI auf ein iPad oder auf einem Handy, dann ist das kein Produkt, das er kaufen wird. Also vor drei Jahren war auf der Photofährbarie, also die größte Fotografie Messe, ich würde sagen, fast der Welt, wo es um Kunstfotografie geht. Da ist ja noch vor drei Jahren, kann ich mal erinnern, war ein eigener Raum, der nur mit KI war, vor zwei Jahren war der Raum nur mehr bis zu einem Drittel voll. Da waren dann schon Bücher wieder recht viel. Und jedes Jahr sieht man auch bei anderen Kunstmessen, dass zuerst ganze Ausstellungen gegeben, auch Museen, also Museale Ausstellungen mit nur generierten Bildern, ich nenne es jetzt mal so, KI-generierten Bildern in der Kunstszene. Das ist eigentlich nicht verschwunden, aber fast auf ein Minimum reduziert worden. Also dort hat es relativ schnell in der Kunstwelt gleich gerückt, würde ich mal sagen. Es gibt schon einzelne Künstler, die einfach die KI nutzen, um einfach, wenn man Fotografie nimmt, die physikalischen Grenzen einer klassischen Fotografie erweitern und das dann sehr gut verbinden. Aber viele gibt es da nicht davon. Und für den Rest ist in der Kunstwelt sicher schwierig. Also Handwerk ist da schon ein wichtiges Thema und ich vergleiche das oft ganz gern so, wie diese ersten digitalen Uhrenaufkommen sind, wo dann jeder prophezeit hat, das ist jetzt der ultimative Todesstoß für diese Luxusmarken, die dann mechanische Uhren gebaut haben, die ja nie so genau sind, auch heute nicht so genau sind. Aber dennoch gibt es einen Riesenmarkt auch weiterhin und er ist extrem stabil und extrem ertragreich. Und das gibt es auch in der Kunstwelt ganz gleich.
SPEAKER_00Ich hätte noch eine Frage zu künftigen Projekten. Einerseits natürlich, was für, vielleicht hast du schon Ahnungen, die du uns sagen kannst, welche neuen Bilder du machen möchtest, ob es neue Geschichten gibt und andererseits vielleicht auch, dass du sagst, okay, du machst mal was Neues, zum Beispiel ein Buch, wo das Foto neben der Geschichte abgedruckt ist, zum Beispiel. Wäre auch eine interessante Sache. Wie sieht es denn aus mit so künftigen Projekten?
SPEAKER_02Ja, die fotografischen Projekte gibt es natürlich weiter. Also wir verkaufen ja auch, das heißt mir fast der Pflicht, was nachzuliefern. Also da gibt es natürlich viele Ideen. Ich habe einen guten Katalog voll und wie ich vorher schon gesagt habe, das muss passen. Also der Tag zum Shooting mit dem Modeln muss passen. Und das ist heute nicht mehr so einfach, weil früher war es so, dass ich so auf meiner fotografischen Zeit, die ich so in der Woche aufgewendet habe, habe ich so 80% fotografiert und 20% so nebenher gemacht, so gepostet und halt so Netzwerken und was auch immer. Und ich würde sagen, in der Zwischenzeit hat sich das einfach gedreht. Ich mache so 80% nebenher und 20% fotografieren. Und so wie ich es jetzt sage, ist es eigentlich schon ein Bild gelogen, weil wahrscheinlich sind es 95% nebenher und 5% fotografieren. Und jetzt muss ich in diesen 5% Zeit-Slots quasi mein Model gebucht haben, muss ich im passenden Mut sein, damit das Bild dann tatsächlich so wird, wie ich mir das vorstelle. Und das ist einfach auch mein Anspruch an die Fotografie. Also hier wird es sicher weitergehen. Ich habe seit einem halben Jahr in einer neuen Serie, wo man die Bilder um, diese statischen Bilder um eine Bewegung quasi erweitern und man Geschichten noch ein bisschen besser herausarbeiten kann. Eines davon ist das Benny Laube, das ist eins der Siegerbilder beim FEB, wo ihm diese Frau hinter einer Glasscheibe wegkippt mit dem Kopf und sie mit ihrer Haut eigentlich ihre Gedanken aus dem Kopf rausbricht. Das ist so die Idee dazu. Also da wird es sicher was geben, aber wie ich an dieser neuen Serie gearbeitet habe und getüftelt habe im Studio, bin ich drauf gekommen, diese alte Serie ist nicht vorbei und die alten Geschichten sind nicht auserzählt. Und dann verfalle ich wieder in dieses Muster zurück und denke mir, nichts muss ich jetzt Neues machen, ich kann einfach so weiterarbeiten, wie ich bisher gearbeitet habe, so wie mein Gefühl das ist. Und das ist das Schöne am Künstler sein, wenn man sie so nennen darf, das ist völlig frei arbeiten. Weder Galerie rät mir da was rein, was ich zu machen habe, noch ein anderer sagt, das musst du jetzt tun. Also ich mache das so, wie das will und ich bringe das Bild, das ich viel richtig empfinde. Und wenn der Galerie das präsentiert, dann übernehmen die das und im Idealfall fangen zu verkaufen an.
SPEAKER_01Sehr cool.
SPEAKER_02Und Buch, Entschuldigung, da war ja weiter. Also Buch wird es bestimmt geben. Es hat ja schon ein paar Anläufe gegeben, aber ich bin noch insgesamt mit der etwas unglücklich damit. Also ich habe mir dann so gesehen, wie könnte das ausschauen? Das aktuelle Övriere, also dieses Portfolio, was so im Umlauf ist, sind so 30, 35 Bilder und das ist auch mit Geschichten für Buch eigentlich zu wenig. Das wird ja fast wie ein Taschenheft an. Also das ist alles nicht so, wie man das vorstellt. Aber da wird in der Richtung nicht sicher was kommen. Cool. Und weil es mir jetzt gerade noch so eingefallen ist, ich finde sowohl deine Herangehensweise von Geschichten erzählen und dir in einem Bild setzen, als auch deine technische Perfektion super spannend. Kann man das bei dir lernen? Gibt es Workshops? Gibt es da die Möglichkeit, unterrichtest du an in der Hochschule jetzt stoßst, der knüpft natürlich in was hinein. Tatsächlich gibt es öfter Anfragen für Workshops, aber ehrlich gestanden glaube ich nicht, dass sie in ferner Zukunft einen Workshop anbieten werden. Das liegt aber vor allem daran, dass wenn ich so einen klassischen Fotografie-Workshop mir anschaue, wo der Trainer hingeht und irgendwie ein Licht einstellt und ein Model bei jedem Klicken eine neue Bose anbietet und eigentlich dahinter nur ein Fotograf steht, der dann am Ende des Tages zwar schöne Bilder hat, aber mitunter vielleicht gar nicht versteht, wie er dazu gekommen ist. Das wäre dann jetzt so mein Ansatz. Und was ich mir schon vorstellen kann, ist, dass man so, dass man mal sie hinsetzt und einen Workshop macht, aber vielleicht einen kamerafreien Workshop, wo es um ein Narrativ geht, wo es um eine Ideenentwicklung geht, wo es um eine Positionierung geht. So alles, was eigentlich einen tatsächlich auch, oder was mir auch weiterbracht hat. Früher, wo ich mir das rausbicken habe müssen, war richtig viele Leute als Herrn geben, wo ich mir was abschauen habe kann. Also so in der Richtung oder was momentan ein bisschen mehr wird, dass man so als Speaker gebucht wäre und so die Geschichte, wieder so gekommen bin, ein bisschen erzählt und vielleicht auch andere inspirieren kann, einfach mal das zu machen, was sie gerne machen würden und einmal nicht so viel, was Gold nachtrinken. Das hilft oft. Das hilft oft, ja. Ich finde, das ist fast ein schönes Schlusswort. Klaus, magst du unsere Rausschmeißerfrage? Oh Gott, gibt es eine?
SPEAKER_00Wir machen immer eine Schlussfrage und zwar wollen wir dich, also wir fragen immer alle, die hier anwesend sind, auch dich jetzt, wohin glaubst du, entwickelt sich die Fotografie in Zukunft? Das kann durchaus technisch sein oder auch gestalterisch.
SPEAKER_02Also ich glaube, Fotografie ist noch lange nicht am Ende. Es ist eine sehr großartige Zukunft für die Fotografie. Ich sehe, dass es sich die Mittelmäßigkeit in der Fotografie etwas ausdünnen wird und ich glaube, auch wenn es jetzt hart klingt, aber ich glaube, das brauchen wir auch. Wir brauchen eine gewisse Bereinigung. Es wird ein bisschen weniger werden, aber das wenige, was kommen wird, wird hochqureitativ sein. Ich sehe, dass einige, dass viele Aufträge in der Fotografie in die generative KI abwandern werden. Ich sehe aber auch, dass das der Großteil oder sehr viel davon sein wird in den eher Low-Budget-Bereich. Und dort sehe ich ohnehin keinen Fotografen mehr. Ich glaube, die, was jetzt glauben, ich steige jetzt auf Fotografen, als Fotograf auf generative KI um, das wird nicht zielführend sein, weil es braucht keinen Fotografen für generative KI. Das machen die, die den ursprünglichen Auftrag gegeben haben, ob es Agenturen sind, auch kleinere Institutionen, Firmen, das macht da Sekretärin nebenher mit. Und da muss man so ehrlich sein. Wenn man als Fotograf seine Zukunft in der generativen KI sieht, das sehe ich nicht. Spannend, das lassen wir uns einfach so stehen. Sehr gutes Schlusswort. Wolfgang, vielen lieben Dank für deinen Besuch. Dankeschön für die Einladung. Vielen Dank. Ich freue mich schon, wenn wir uns demnächst auf irgendwelchen Kunst messen vielleicht mal sehen. Und bei uns wetzig. Wir müssen uns mal anschauen, wie du so einen natürlichen Habitat bist. Ja, ja, wie wir davon. Genau. Bist du dieses Jahr bei der Foto und Adventure wieder dabei? Ich habe noch gar keine Pläne soweit, es ist fast zu weit weg. Ja, aber ich bin, je nachdem wann der Podcast rauskommt, bin ich auf der Ad Austria in Wien. Ich habe dann eine, bin dann in eine Solo-Ausstellung im Steiermarkhof, eine große Solo-Ausstellung. Erstmalig, das ist auch ein bisschen eine lustige Geschichte, meine Bilder sind auf Ausstellungen weltweit gewesen, von Tokio über Miami, über Basel. Überall sind Bilder unterwegs, aber auf dem heimischen Boden hat es noch nie eine echte Ausstellung gegeben und das ist jetzt tatsächlich soweit. Am 27. Mai in einem Steiermarkhof gibt es einen großen Rückblick auch von Bildern vom Anfang bis jetzt. Und es gibt dann zwei Kunstmessen wieder in Wien, ich bin einmal noch in Berlin, dann einmal in natürlich Schweiz, wenn die Art Basel-Zeit ist. Also ich bin ja recht umtriebig und im Sommer wird es dann ein bisschen ruhiger werden, hoffe ich zumindest mal. Und im September mit Schulbeginn starten wir neu durch. Super. Danke. Bis bald. Vielen Dank. Dankeschön, dass du da warst.
SPEAKER_01Wir haben uns gefreut, dass ihr dabei wart und hoffen, es hat euch gefallen. Bis zur nächsten Folge des Fotoobjektiv Podcasts von Kliff Kapertals und Klaus Lauberbehör.