Pixel & Objektiv
Pixel und Objektiv, wo Bilder sprechen und Fotografen plaudern. Der Podcast von Klaus Lorbeer, Chefredakteur des Fotoobjektiv-Magazins und Cliff Kapatais, Fotograf und Agenturchef. Pixel & Objektiv beschäftigt sich mit Fotografie in all ihren Facetten und wendet sich sowohl an alle, die selbst fotografieren, wie auch an jene, die sich für Fotografie interessieren.
Kontakt: pixel.talk@fotoobjektiv.at
www.fotoobjektiv.at; www.pixelcoma.at
Pixel & Objektiv
Im Gespräch: Tanzfotograf und Leica-Ambassador Raphael Mittendorfer über Bewegung, Intuition und den perfekten Augenblick
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Wie fängt man Bewegung ein, ohne dass sie ihre Energie verliert? Raphael Mittendorfer kennt die Antwort nicht nur aus fotografischer Sicht – er hat selbst Breaking getanzt. Heute ist er als Fotograf für Dance, Portrait, Fashion und Lifestyle unterwegs und weiß: Bei Tanzfotografie geht es um Rhythmus, Timing und vor allem um das intuitive Gespür für den einen Moment, in dem alles zusammenpasst.
Im Gespräch mit Cliff Kapatais geht es nicht nur um die Faszination von Bewegung, sondern auch um die Frage, ob eine Kamera tatsächlich beeinflusst, wie man fotografiert. Raphael ist Leica-Ambassador und überzeugt davon, dass eine Leica zu einer ganz eigenen Art der Fotografie führt.
Mehr Infos über Raphael sowie eine Auswahl seiner Fotos gibt es unter
www.instagram.com/raphael.mittendorfer und
www.raphaelmittendorfer.at
Oder ihr kommt zur PIXEL.POWER (17. und 18. Oktober 2026), wo Raphael Mittendorfer auch als Speaker auftritt. Mehr dazu unter www.pixel-power.at.
Pixel und Objektiv, wo Bilder sprechen und Fotografen plaudern. Der Podcast von Klaus Lorber, Chefredakteur des Fotoobjektiv Magazins und Cliff Kappertheis, Fotograf und Agenturchef.
SPEAKER_03Herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von Pixel und Objektiv, dem Podcast vom Fotoobjektiv Herausgeber Klaus Lorbeer und mir, Cliff Kapperteis vom Pixelkomma. Ich habe heute wieder einen wunderbaren Gast im Studio und bin nicht allein da und zwar habe ich Raphael Mittendorfer da, der nicht nur Leiker Ambassador ist, sondern auch ein wirklich begnadeter Tanzfashion-Porträtfotograf und das ein Werk ich sehr schätze. Aber bevor ich mich da einfach verendlos verplappere, Raphael, magst du dich mal ganz kurz selber vorstellen? Wer bist du, was machst du und wie stehst du zur Fotografie?
SPEAKER_01Ja, hallo, mein Name ist Raphael Mittendorfer. Ich bin Fotograf aus Salzburg und Wien. Und ich habe einen Hintergrund im Tanz- und Musikbereich, wo ich mittlerweile auch meinen fotografischen Schwerpunkt hinlege und nebenbei eben auch in dem ganzen People-Lifestyle-Bereich auch fotografisch tätig bin.
SPEAKER_03Sehr, sehr cool. Und du bist in das Ganze reingekommen, so ein bisschen, wie ich das immer verstehe. Die besten Fotografen für Extremsport oder sonst was sind ja meistens dann die Athleten, die nicht mehr den Sport machen können, weil sie die Knie kaputt gemacht haben und dann zur Kamera greifen. Du bist Tänzer gewesen oder tanzt du immer noch?
SPEAKER_01Nicht mehr ganz aktuell. Also ich habe noch mein Studium in Musik und Tanzpädagogik zwar abgeschlossen, aber es geht sich neben der Fotografie einfach nicht mehr so ganz aus. Auch wenn ich jetzt versuche, so einmal die Woche wieder so ein bisschen anzufangen, aber. Cool.
SPEAKER_03Dann müssen wir mal reden. Ich möchte meinen Tanzen zählen. Aber war es für dich deshalb natural, dass du gesagt hast, hey, ich tanze gerne und deshalb fotografiere ich es auch gerne? Oder war das eher Zufall? Oder ist es, wenn man Tänzer ist, kann man es tatsächlich besser einschätzen, was ein gutes Tanzfoto ist?
SPEAKER_01Das war eigentlich so relativ ungeplant, muss ich ehrlich sagen. Also ich habe mit drei Jahren zum Tanzen angefangen. Meine Mutter war Musik- und Tanzwissenschaftlerin, das heißt, da war man schon irgendwie vorbelastet. Und mit sechs Jahren habe ich dann angefangen, Geige zu spielen. Und das war eigentlich auch immer das Ziel, irgendwas von den beiden Sachen zu machen. Und ich war auch im musischen Gymnasium in Salzburg und habe dann mit meiner Crew beim Breaking irgendwann das Level erreicht, dass wir mehrere Meisterschaften gemacht haben, auch bis Europameisterschaften hochgekommen sind. Und gleichzeitig aber auch mit 15 an der Bruckner-Uni im eigenen Studium angefangen habe. Und die Fotografie war aber irgendwie immer schon so präsent. Also als kleines Kind, eines der ersten Sachen, die ich wollte, war diese Kiddie-Zoom-Kamera von VTech. Und wie ich eingeschult wurde, hat dann meine Mama, wie sie mich abgeholt hat, gesagt: Du kannst jetzt irgendwas aussuchen, das ist so ein Meilenstein. Und ich bin sofort mit dir ins nächste Fotogeschäft und habe mir eine Digitalkamera geholt. Es war so, ich habe eine Kodak DC4800, die hat so drei Megapixel gehabt. Furchtbares Teil eigentlich. Ich habe es auch damals überhaupt nicht verstanden, wie man das Ganze bedient. Aber irgendwie diese Faszination war schon immer da. Sehr, sehr cool. Und das dann einfach vertieft und einfach hängen geblieben? Es war dann irgendwann der Punkt, dass ich halt in Salzburg im Gymnasium war, in Linz die Geige studiert habe und das Tanztraining war dann nochmal in Burghausen in Bayern. Und irgendwann kam der Punkt, wo ich mir gedacht habe, ich muss jetzt sowieso irgendwas mal reduzieren, weil so mit 16, 17 Jahren, da jetzt immer den Terminkalender so voll haben, war auch ein bisschen viel. Und dann kam tatsächlich der Moment, dass ich das mit dem Training etwas übertrieben habe und zusätzlich zum Tanztraining auch dreimal die Woche 21 Kilometer laufen gegangen bin. Bis irgendwann die rechte Sehne am Bein da nicht mehr ganz mitgemacht hat. Und dann war das irgendwie auf der Hand, dass ich sage so, okay, dann schaue ich jetzt mal auf den Tanzen ein bisschen Abstand zu nehmen und mal zu schauen, wie sich das so anfühlt. Und es war anfangs etwas seltsam, wenn man dann bei den ganzen Tanzveranstaltungen und Battles ist, wo man früher mitgemacht hat. Und auf einmal sitzt man nur noch im Zuschaubereich. Und irgendwann habe ich dann gedacht, ey, weißt du was, komm, ich habe noch eine Kamera, ich nehme die einfach mal mit. Ich habe damals so alles Ersparte irgendwie für eine Kamera investiert und habe die dann einfach überall hin mitgenommen. Und dann kam so ein Moment beim Circle Industry Event, hat es geheißen in Salzburg, das war so eine Breaking Competition, dass ich da einfach für mich zum Spaß ein paar Fotos gemacht habe und die halt dann bearbeitet habe und auf Instagram gepostet habe. Und das Event war mehrtägig. Und am nächsten Tag kam dann der Moment, wo dieser Host von dem Event alle aufgefordert hat, die Instagram-Seite des Events zu öffnen und das aktuellste Foto zu liken. Und ich war vorhin schon so aufgeregt, weil das Event sogar mein Foto repostet. Und dann war dieser Moment, ich stehe so da und geben von so tausend Leuten, die gerade alle aufs Handy schauen, und so mein Bild liken. Und da war zum ersten Mal so das Gefühl, okay, da könnte man ja vielleicht mehr machen. Und dann habe ich irgendwie so mein Use Case gefunden, so quasi wieder relevant in dem ganzen Tanzbereich zu sein. Durch die Fotografie.
SPEAKER_03Voll cool. Du, und dann gleich hinten nachgefragt, fotografisch alles autodidaktisch oder alles irgendeine klassische Alles?
SPEAKER_01Alles. Also es ist irgendwie ziemlich lustig, weil mein Onkel war ein relativ bekannter österreichischer Pressefotograf. Ich habe den aber niemals kennengelernt. Aber irgendwie scheint da das Interesse in der DNA gewesen zu sein. Und das war eben damals zur Schulzeit. Ich hätte mir eigentlich ein iPad kaufen sollen für die Schule und meine Mama hat die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, weil ich gesagt habe, ich muss mir jetzt eine Kamera kaufen. Und warum, woher kommt auf einmal der Wille nach einer Kamera? Und dann bin ich die ganzen Weihnachtsfähig, ich habe mein Zimmer nicht verlassen. Ich habe versucht, alles gleich manuell einzustellen, wollte alles herausfinden, was macht der Knopf, was macht das Drehrad. Und habe die Kamera einfach wirklich überall hier mitgenommen und ununterbrochen fotografiert.
SPEAKER_03Sehr, sehr cool. Finde ich schwer beeindruckend. Du, aber das heißt, du hast den Vorteil oder fangen wir das an, was hat denn dir denn Tanz beigebracht über die Fotografie, was man zum Beispiel in der klassischen Ausbildung oder im Fotostudio nicht so lernen würde? Weil du doch einen ganz eigenen Zugang hast, finde ich.
SPEAKER_01Ich glaube, das Gefühl für Rhythmus und Timing. Also wenn man selber tanzt, man muss einfach das Metrum so drinnen haben und man muss Momente erahnen können, bevor sie noch passieren. Also es war zum Beispiel bei uns beim Breaking immer so, wenn man bei einem Battle ist, man kann vorne alleine in der Tanzfläche stehen. Oder es gibt auch gewisse Tanzschritte, bei dem deine Crew im Hintergrund weiß, jetzt kommt eine sogenannte Routine, das ist so eine Gruppenchoreografie. Und da gibt es teilweise Momente, wo du vorne tanzt. Du weißt nicht, was hinter dir passiert, aber du lässt dich zurückfallen, weil du weißt, die Crew fängt dich jetzt auf. Das heißt, du musst wirklich genau wissen, was passiert als nächstes. Und ich finde, dieses Gefühl kann man eigentlich so nicht in einer klassischen Ausprobung lernen. Besonders für Tanzfotografie. Voll, voll wichtig.
SPEAKER_03Ich sage ja auch immer, man muss sein Metier kennen. Also natürlich, wenn du ein guter Fotograf bist, kannst du alles fotografieren, von Landschaft bis zu einer Flasche Wein oder whatever. Aber du wirst nur ein erfolgreicher Weinflaschenfotograf, wenn es das gibt als zum Nische, wenn du dich mit Wein auskennst, weil du mit den Leuten reden musst, weil du verstehen musst, was ist das Wichtige. Also wie ich bei dem Wein, was ist das Glas, was ist die. Das ist zu viel Komplexität in all diesen Themen drin und du jetzt wurscht, ob das Tanz-, Fashion oder Babybauchfotografie ist, du musst dich halt einfach mit dem Ding auskennen. Und darum wird es bei mir irgendwie nie zur Fashion-Fotografie werden. Weil, weißt du, Hoodie und Chuck sind fertig. Und null Ahnung für einen von Fashion, aber ich kann mit Menschen. Das heißt, ich tue mir mit Porträts leicht oder ich koche und esse gern und kenne mich in Restaurants aus. Das heißt, Food ist halt so ein bisschen meins. Ich finde das wichtig. Und das ist immer dieses, du musst deine Nische finden. Die Nische ist halt das. Es muss dich auch glücklich machen, ja. Es macht keinen Spaß mehr, das zu fotografieren. Es ist zwar gutes Geld, aber ich will nicht. Dann warten wir es halt aus sein. Und darum finde ich das immer sehr, sehr spannend, wenn man Leute findet, die ihr Ding gefunden haben quasi. Sehr, sehr cool. Du, und ich finde ja, Tanzfotografie gehört meiner Meinung nach zu den schwierigeren Elementen, weil erstens passiert da sehr viel, du musst genau den richtigen Moment erwischen, den du schon erwähnt hast. Du musst auch so ein bisschen Gespür und Emotionen mit reinbringen. Wie ist das, wenn du Menschen in Bewegung fotografierst? Wartest du da auf den perfekten Moment oder inszenierst du das oder gehst du go with the flow?
SPEAKER_01Keine Ahnung, wie geht das? Also es kommt ziemlich darauf an, was du fotografierst, weil Tanzfotografie ist nicht automatisch Tanzfotografie. Ich nenne das immer so ein bisschen dieses, es gibt das Editorial und da gibt es dieses Performance-Battle-Feld. Beim Editorial, das ist oft irgendwie für die Promotion von einem Tanzstück oder für TänzerInnen selber irgendwie zur Promotion oder fürs Portfolio. Und da läuft es dann meistens so ab, du hast irgendwie im Studio ein bisschen Platz, ein bisschen Zeit oder auch im Tanztheater und hast so ein bisschen die Möglichkeit, das jetzt zu inszenieren und zu stellen mit Blitzlichtern und dem Ganzen. Es ist dann irgendwie auch schwierig, weil du musst in einem Bild das alles zusammenfassen, dass das auf einem Plakat dann auch rüberkommt. Aber da hast du so ein bisschen mehr die Möglichkeit, selber mit einzugreifen. Bei einer Performance oder beim Battle musst du einfach auf das reagieren, was vor dir passiert und musst irgendwie einen Weg finden, das jetzt auch gut ausschauen zu lassen. Auch wenn vielleicht mal die Beleuchtung nicht wirklich gut ist oder gerade bei Tanzstücken ist es oft so, dass das Licht sehr, sehr dunkel ist, damit es halt irgendwie atmosphärisch ist für den Zuschauer, aber halt jetzt nicht gerade das beste Licht für die Kamera, vor allem wenn du mit höheren Verschlusszeiten arbeiten musst. Und da hilft es dann aber sehr oft, wenn du irgendwie ein Verständnis zum Beispiel für Zählzeiten hast und weißt, auf 1, 3, 5 und 7 sind die schweren Zählzeiten und die markantesten sind 1 und 5, dass du einfach weißt, auf die Zählzeiten wird wahrscheinlich was passieren und auf die anderen eher nicht, wobei das sind auch wieder tanzspezifisch unterschiedlich ist, im Haus-Dance hast du da mehr diese Upbeats. Also es variiert immer von Tanzart zu Tanzart, aber du musst im Moment im Vorhinein erkennen, wenn du abdrückst, während die Person in die Luft springt, bist du schon so spät. Du musst anhand von wie der jetzt Anlauf nimmt, in die Knie geht, den Fuß aufsetzt, schon wissen, der wird jetzt gleich springen. Und sobald er irgendwie nach oben geht, schon abdrücken, damit du die Person hast, während sie in der Luft ist.
SPEAKER_03Ich finde es eine wirklich, wirklich harte Schule, um Fotografie zu lernen, weil einerseits du hast, kannst du weder inszenieren, gerade bei so Leichen, noch kannst du das Licht beeinflussen, sondern du musst einfach mit dem arbeiten, was da ist. Ich habe vor 20 Jahren begonnen, tatsächlich Konzertfotografie war mein Einstieg in die Fotografie. Und mir war damals nicht bewusst, dass das eigentlich sehr schwierig ist. Aber okay. It seems to be complicated, bis man halt dann gecheckt hat, was man macht und war dann überrascht, wie leicht Fotografie sein kann, wenn man Zeit hat und Lichtbank und sonstige Sachen haben kann. Aber auch da war es halt natürlich unglaublich wichtig, wenn du gewusst hast, das Lied, dass die Band anstimmt, wann da jetzt Chorus losgeht oder irgendwas Cooles passiert und das vorher im Hintergrund, natürlich hast du dann die besseren Fotos als jemand, der die Band nicht kennt. Und das ist halt, ich nehme an, sehr ähnlich bei euch. Und was ich auch lustig finde, ich finde, Tanzfotografie ist ja eine Nische, wenn man so mal so sagen möchte. Aber auch da gibt es ja von bis. Weil wenn du machst ein B-Boyer bis Ballett oder sonst was, da sind ja Welten dazwischen. Würdest du sagen, du könntest alle Tanz sagen oder hast du da auch innerhalb der Tanzwelt deine Bubble, in der du happy bist?
SPEAKER_01Also grundsätzlich bin ich immer happy mit allem. Aber es gibt schon die Bereiche, wo ich sage, da habe ich meine Kernkompetenz. Also alles, was irgendwie Hip-Hop, Breaking, House ist, weil ich es einfach selber gemacht habe. Ich habe auch wahnsinnig viel im Contemporary-Bereich gearbeitet. Fotografisch, was dann irgendwann auch irgendwann in Fleisch und Blut übergeht. Ballett habe ich selber auch machen müssen, das war so eine Anforderung von meiner Mama damals, bevor ich mit Breaking anfangen durfte. Also ich könnte schon irgendwie die Basics, aber man merkte dann schon nochmal, dass die Mitiers nochmal eigene Besonderheiten haben.
SPEAKER_03Krass. Aber ich finde, um jetzt dann wieder die schöne Seite rauszuholen, wenn man mit Performern arbeitet, wo stimmt das jetzt Tänzer, Sänger oder sonst was sind, die haben einfach viel mehr Körpergefühl, Confidence, die wissen, ich lebe von der Performance, ich trete von Leuten auf. Und man hat ab und zu Leute im Studio, wo die halt, oh Gott, ich muss ein Business-Porträt machen, das letzte zehn Jahre, ich will das nicht. Und die stehen halt dementsprechend auch dort. Und wenn du teilweise mit guten Tänzern arbeitest, die kommen rein und bäm und du weißt einfach, hey, das wird ein geiles Shooting wurscht, was wir machen. Und das ist, finde ich, großartig. Und das macht mir immer sehr Spaß, wenn ich die Gelegenheit habe, mit denen zu arbeiten. Du arbeitest auch viel im Bereich Fashion, Portrait-Lifestyle. Das gehört eh auch im, also im Fernsten dazu, oder? Das ist halt die Dancebubble, die Leute kleiden sich bestimmt. Ist das reduziert auf den Stil in der B-Boy-Welt oder sonst was? Oder machst du High-End-Fashion auch? Oder wie bist du denn da aus der Tanzbubble rausgewachsen? Du hast ja jetzt teilweise recht coole große Kunden für Editorial-Kampagnen, was ich gesehen habe.
SPEAKER_01Wie waren denn die Schritte, dass du dorthin gekommen bist? Also es war irgendwie immer schon ein Interesse auch dafür da. Also als kleines Kind hat meine Mama schon mit mir Probleme gehabt, wenn ich aus der Haus musste und ich habe dann mich geweigert, jetzt irgendwie die Winterjacke anzuziehen, weil ich die einfach so uncool fand. Und dann musste sie wirklich mit mir vor die Tür und mir zeigen, es ist kalt, du brauchst es Jacke, dass ich es eingesehen habe. Das heißt, irgendwie als kleines Kind war da schon irgendwie ein Interesse dafür da. Und irgendwie hat sie das dann so Stück für Stück ergeben nach dem Tanz. Habe ich dann irgendwie so mal geschnuppert, was gäbe es denn sonst noch? Und dann fangt man halt an, mal mit so kleinen Marken. Wir haben auch am Anfang, wie ich zum Fotografieren angefangen habe, relativ schnell mal zu Marken Sachen geschickt. Und die dann irgendwie beides wollten, dass sie dann so quasi so ein kleines Sponsorship haben und sie schicken mir die Kleidung. Und ich musste mich dann einmal selber fotografieren, wie ich tanze. Das war irgendwie so eine komische Schnittstelle. Und das kam dann irgendwie immer wieder so in den Schüben, weil sie auch irgendwie nicht ganz leichter Fuß zu fassen. Aber so Stück für Stück kam dann immer mehr und mehr. Und dann waren wir mal, habe ich mir einfach mal ein Ticket für Paris gebucht und bin da zur Fashion Week geflogen und habe so dort versucht, irgendwie mal ein Gefühl dafür zu bekommen. Und mittlerweile mache ich jetzt für die Wiener Modemarke Wyatt sehr, sehr viel. Und es macht auch extrem viel Spaß und hat auch tatsächlich immer wieder viel mit Tanz zu tun. Weil wenn man versteht, irgendwie, wie Kleidungsstücke am Körper fallen, wie vielleicht gewisse Bewegungen das nochmal beeinflussen können, hilft das schon mal sehr.
SPEAKER_03Sehr, sehr cool. Du, und wie läuft das in der Realität ab, wenn man zum Beispiel jetzt für eine Marke, wo Wired oder sowas eine Kampagne shootet? Hast du da freie Hand und dir sagen, mach was, du bist gut? Oder gibt es da genau Vorgaben, nein, die drei Fotos genauso brauchen wir die?
SPEAKER_01Es kommt immer sehr drauf an. Also es ist kundenspezifisch irgendwie. Viele wollen da erst alles approven und du musst alle Raws erstmal zum Absegnen schicken. Und bei Wired zum Beispiel hat man eigentlich relativ freie Hand. Also da brainstormt man dann gemeinsam so und hätte die Idee, hey, wir könnten noch das machen und versucht dann irgendwie sich gegenseitig da irgendwie zu inspirieren. Und oftmals während des Shootings hat sich so einen Plan gemacht, macht die ersten Bilder und merkt, nee, wir ändern das jetzt komplett um.
SPEAKER_03Ich finde beides immer wichtig, man braucht unbedingt einen Plan, weil sonst passiert nie was Gutes, aber man muss dann flexibel genug sein, dass man auch wieder vom Plan weggeht, wenn das passiert ist. Sehr, sehr cool. Spannende Geschichte. Du, beim Tanzen ist es ja so, dass du eigentlich Bewegung einfängst. Und natürlich, ein Fotograf muss ein scharfes Foto machen. Das ist halt bei schnellen Bewegungen nicht immer der Fall. Wie handhabst du das? Sagst du, es muss der perfekte Peak-Moment beim Jump sein und der muss perfekt eingefroren sein? Oder arbeitest du auch mit Zeit und versuchst, diese Bewegung mit einzufangen in einem einzelnen Bild?
SPEAKER_01Definitiv. Also es ist, ich liebe das, mit Bewegungsunschärfe zu arbeiten. Es ist manchmal etwas, was man mit ChoreographInnen vorab abklären muss, weil nicht jeder liebt diesen Look dann immer. Oder oft ist dann auch die Frage, wofür müssen die Bilder verwendet werden, wenn eine ganz bestimmte Szene irgendwo drinnen ist, wo du sagst, die brauchen wir dann für ein Plakat. Ist es vielleicht gut, auch ein scharfes Bild zu haben, dass man irgendwie das abgedeckt hat. Aber ich liebe das, einfach Bewegung so darzustellen, wie wir sie auch mit dem Auge normalerweise sehen würden, eben nicht als festgefrorenen Punkt. Und das finde ich auch teilweise einfach, die Regeln einfach mal zu brechen. Also es gibt für jede Tanzart eben so die eigene Verschlusszeit. Man muss jetzt nicht bei jedem Tanz gleich ein Fünftausendstel haben, bei manchen reicht es auch aus mit einem 250. Aber es ist manchmal einfach total interessant, was da entsteht, wenn man mit Langzeitbelichtungen arbeitet oder eben auch wenn man im Editorial-Bereich mit Tanz arbeitet, wenn man eine Langzeitbelichtung und Blitz kombiniert und dann so Teile sind festgefroren, Teile sind noch in Bewegung. Krass.
SPEAKER_03Ich finde es aber auch immer lustig, wie andere Fotografen und Fotografinnen das herangeben. Ich kann mich noch an lange Diskussionen erinnern, die gemeint haben, weil alles verschwommen, das kann ja kein richtiger Fotograf, der macht das schon auf das Bild. Also, hey, Entschuldigung, das Bild hat zehnmal mehr Emotionen und bringt so viel mehr Geschichte mit, als was du da tot blitzt und anfängst. Aber wie du gesagt hast, es gibt halt für alles Zielgruppen und du musst halt auch unter anderem wissen, für wen und für welche Zielgruppe und für welches Medium produzierst du denn jetzt was.
SPEAKER_01Und es hat sich ja mittlerweile auch geändert. Also die ersten Fotos von Mary Wickman oder Isadora Duncan zu den Ikonen der damaligen Tanzszene, die waren alle festgefroren. Wo man irgendwie mit der Analogfotografie zum ersten Mal rausgefunden hat, wie man irgendwie Bewegung einfangen kann, war das halt irgendwie so die Innovation der Zeit. Heutzutagen haben wir Kameras und Blitzanlagen, die mit hohen Verschlusszeiten überhaupt keine Probleme haben. Das heißt, es ist irgendwie ein kreativer Anspruch, als einzig und allein Bewegung festzufrieren. Weil ein scharfes Bild kriegt man heutzutage irgendwie schon hin mit dem Autofokus und im allerschlimmsten Fall auch mit irgendeiner Autobelichtung. Aber da irgendwie eine Emotion, einen Kontext hineinzubringen, ist meiner Meinung nach viel wichtiger.
SPEAKER_03Voll. Ich finde es ja teilweise, also natürlich ärgere ich mich immer noch, aber wir haben ja inzwischen Tools mit ISO 64.000, wo du ein Bild machen kannst. Vor 10, 15 Jahren, wie ich angefangen habe, war das undenkbar. Und auch dann haben wir scharfe Bilder gekriegt. Und heute hat man wirklich kaum Probleme und trotzdem klappt es nicht immer. Aber ja, schwierig. Du, du hast kurz analog erwähnt. Fotografierst du selber auch analog oder bist du rein digital unterwegs?
SPEAKER_01Leider noch nicht. Ich möchte es mir irgendwie jetzt wieder mal ein bisschen aneignen, aber es ist irgendwie, es fehlt dann oft dann doch irgendwie so die Muse dazu, das tatsächlich umzusetzen oder dann auch bei den Kunden irgendwie den Filmpreis zu rechtfertigen und die Entwicklung. Man ist dann meistens schon froh, wenn man irgendwie die Budgets halbwegs durchbekommt.
SPEAKER_02Das ist alles geil.
SPEAKER_03Wie ist das so in der Tanzwelt? Also wir kennen das nur aus meinem Eck der Kunstwelt. Da sind die Budgets gering, das kaum vorhanden, außer man ist halt wirklich in den Top-Sphären unterwegs und das ist halt schwierig. Ich nehme an, Tanz ist auch eher Leidenschaft mehr als.
SPEAKER_01Ja, es hängt immer davon ab, je nachdem auch, wie viel Förderung dem Projekt zugestanden wurde. Es hilft dann oft, wenn man mit den gleichen TänzerInnen arbeitet, weil dann können die die Fotos, die man das letzte Mal gemacht hat, das nächste Mal bei den FördergeldgeberInnen vorweisen, dass man sieht, das schaut ja noch was aus. Und dann auch rechtfertigen, wir brauchen Budget XY für unseren Fotografen, Videografen, für die Dokumentation. Es kommt dann auch immer darauf an, wie groß die Produktion ist. Wenn es jetzt irgendein Stück ist, was dann international auf Touren geht, ist natürlich auch mehr Budget vorhanden. Meistens ist es aber wirklich relativ schwierig, da irgendwie die Budgets rauszukitzeln und die normalen Tagessätze, die man so verrechnen würde oder Nutzungsrechte, muss man sich da oft einmal irgendwie aus dem Kopf streichen. Es ist immer situationsabhängig.
SPEAKER_03Es ist eine schwierige Welt. Du, wir waren gerade, Entschuldigung, ein bisschen abgedriftet, aber wir waren gerade beim Thema Fotografie, Bewegung einfangen, technisch scharfe schöne Bilder oder emotionale Bilder zu erzeugen. Ich scherze immer so ein bisschen und sage, wir Fotografen sind auch große Lügen, weil wir wollen ja immer alles perfekt und anders und mit Licht kaschieren wir sehr viel und sonst was. Was ist denn für dich die größte Lüge, die man so ein einzelnes Foto in Bewegung erzielen kann? Weil oft schauen ja, also nehmen wir mal ein neutrales Beispiel, Immobilienfotografie, wenn du gerade eine Wohnung suchst oder ein Haus, da schauen die Fotos teilweise ganz anders aus, als was dir dann vor dort steht. Und natürlich ist das vom Porträt bis Tanz halt auch alles und da siehen halt die fulminantesten Aufnahmen und der Schöpf heißt ja eh nett. Wie ist das für dich, siehst du, da kann man Fotos in Bewegung überhaupt ehrlich zeigen?
SPEAKER_01Ich finde schon, es kommt immer sehr darauf an, mit welchem Ansatz man das Bild gemacht hat und für welchen Zweck das dann auch verwendet wurde. Und ich sag mal so, wenn man jetzt irgendwie eine Produktion oder auch selbst wenn man es irgendwie für die Promotion von einem Stück irgendwie was fotografieren möchte, man kann schon wahnsinnig viel faken. Also man kann auch irgendwie jetzt mit Photoshop ja ganz einfach einfach Körper verformen. Und das ist halt manchmal schon auch ein bisschen ein Problem. Zum Glück nicht ganz so sehr ein Problem in der Industrie. Das ist, glaube ich, in anderen Modeindustrien und so eher noch verbreiteter. Beim Tanz ist es eher nicht so sehr, da geht es dann eher darum, dass wenn man irgendwie den Tanzboden da am Bild hat, dass man halt dann die ganzen Kratzer von den Schuhen manchmal rausnimmt. Aber es gibt dann schon immer wieder mal so ein paar Manipulationen, wenn man sieht, da ist irgendwer gesprungen und auf einmal wird da irgendwie der Sprung nochmal angehoben in der Nachbearbeitung. Aber das irgendwie, man merkt es dann teilweise schon, irgendwie, wenn man so ein Gespür hat für die Person, die das jetzt irgendwie gerade da performt hat, was ich denke, das geht sich irgendwie nicht ganz aus.
SPEAKER_03Kann nicht ganz echt passiert sein. Aber wenn wir gerade bei Photoshop und dergleichen sind, da kann man ja auch inzwischen wunderbar diese Motion Trails und so Sachen faken. Also ich mache einfach ein scharfes Foto von dir und zaubere dann drei Stunden im Photoshop, warum bis das ausschaut, als ob ich da das opulenteste Setup gehabt habe. Wie stehst du zu sowas? Würdest du, machst du das, nutzt du das oder sagst du, das ist voll legitim, weil das gehört halt schon so ein Toolset oder ist das verpönt?
SPEAKER_01Ich finde es kaum nicht mehr darauf an, von Situation zu Situation. Ich habe es teilweise auch schon eben gemacht, wenn man einfach wusste, der Kunde will unbedingt, dass alle Bilder scharf sind. Ich wollte aber unbedingt dieses eine verschwommene Foto haben. Ich bin noch immer ein bisschen auf Kriegsfuss damit, weil es schaut einfach nie ganz realistisch aus. Und die Zeit, die man dann investiert, das irgendwie hinzukriegen, dass es realistisch aussieht, es ist einfach nicht das gleiche, wie das Licht ist auf die Person und auf das Kostüm gefallen und wurde dann im Sensor irgendwie mit der Bewegungsunschärfe eingefangen. Als wenn ich im Endeffekt ein scharfes Element nehme und halt einfach das Schlieren drüber ziehe im Endeffekt. Also ich würde es jederzeit bevorzugen, dass wirklich in echt. In der Kamera einzufangen.
SPEAKER_03Das verstehe ich, aber es lässt halt nicht immer die Zeit zu und die Möglichkeiten und alles. Aber ich bin auch immer so hin und her gerissen mit Ja, auf Fixer den Post und dann erstens einmal geht das nie so schnell, wie man es erinnern hat. Und es wird halt nie so schön. Und außer du arbeitest halt wirklich an ein Konzept und sagst, ich weiß genau, was da passiert, aber schwierig. Du, und weil du jetzt gerade so bei den Momenten warst, gab es, also wenn man so eine Foto-Session hat und dann ganz viele macht, ich versuche möglichst wenig zu fotografieren und dafür die richtigen Bilder bei meinen Aufträgen, weil ich über die Jahre gelernt habe, es ist besser, statt 5000 Fotos auszusuchen, dann auf die 300 richtigen zu machen. Wie läuft das bei dir? Hast du dann auch so diesen Moment, wo du weißt, hey, ich hab's gemacht, das war das perfekte Bild der Session, wir brauchen eigentlich gar nicht mehr weiterfotografieren oder macht man da lieber mehr Fotos, weil gerade schwierig und vielleicht ist schon eins dabei, wo die Zehnspitze dann ganz gerade ist oder so?
SPEAKER_01Das merkt man relativ schnell. Also sowohl, wenn man jetzt irgendwie Zeit hat und man macht ein Editorial-Konzept, dass man irgendwann sagt, hey, wir haben es, wir brauchen nicht mehr weiter. Weil oft ist da auch einfach die Zeit kostbar, weil man ist dann meistens im Probenprozess. Die mieten sich meistens den Raum für eine gewisse Zeit, zahlen natürlich auch dafür, sind natürlich dann auch froh, wenn man das jetzt irgendwie in einer halben Stunde das ganze Shooting irgendwie wieder über die Bühne bringt. Und auch wenn man irgendwie eine Performance oder ein Battle fotografiert, in dem Moment, wo man abgedrückt hat, man weiß, das war jetzt der Money-Shot. Und dann geht man auch wirklich nach Hause und man freut sich wirklich auf diese zwei, drei Bilder, von denen man weiß, dass man jetzt die Banger, das war jetzt der perfekte Shot.
SPEAKER_03Sehr, sehr cool. Ja, ich finde, das ist auch so etwas, das man eindeutig lernt mit Erfahrung, dass man irgendwo so einen Punkt hat, okay, das war's, jetzt darf man gehen. Also alles gut. Nice. Du, du bist ja nicht nur Autodiktakt, Dancer und All Son, du bist inzwischen auch Leiter Ambassador. Wie wird man Leiker Ambassador und was bedeutet? War die erste Kamera eine Lecker? Also nach der VC 100 oder was immer da so?
SPEAKER_01Die erste Kamera war tatsächlich eine Kanon. Eine Kanon 800D damals. Und ich habe damals wirklich noch so wenig von Fotografie verstanden. Ich habe das damals mit dem, ich glaube, 1855-Kit-Objektiv gekauft. Und der Verkäufer war dann so, da gab es voll ein Kanon dieses 50 mm 1,8 mm für, glaube ich, 100 oder 150 Euro. Und der Verkäufer wollte mir dann die ganze Zeit aufschwatzen, hey, komm, nimm dir dieses Objektiv doch dazu, vertrau mir, das wird's wert sein. Ich habe es dann zwar gekauft, habe aber dann, wie ich nach Hause gekommen bin, mir gedacht, der hat mich jetzt komplett über den Tisch gezogen. Weil wozu brauche ich das? Ich habe doch eh 50 und 55 mm in diesem Kit-Objektiv drin und überhaupt nicht verstanden, dass das ja Festbrennweite, Zoom-Objektiv in Unterschied sein könnte. Das war dann irgendwann, habe mir diese Kamera einfach nicht ganz ausgereicht. Dann habe ich sie leider verkauft, was mir bis heute irgendwie noch wehtut, um mir damals eine Kanon EOSR zu finanzieren. Und da war ich erstmal ein paar Jahre lang bei Kanon mit der EOSR und der R5. Und irgendwann kam dann der Punkt, meine Freundin ist nach Wien gezogen zum Studium. Ich war noch in Salzburg. Und ich wollte irgendwie einfach eine kleine, kompakte Kamera, die ich einfach mitnehmen kann. Dass ich auch so Fotos machen kann, ohne jetzt irgendwie einen Job zu haben. Und da war ewig lang die Überlegung, Fuji oder Leiker. Und halt schon mit der Tendenz zur Leiker. Meine Freundin war damals auch so, kauf dir bitte die günstigere Kamera. Ich sehe schon, du kaufst dir die teure und dann nimmst du die nicht mit, weil sie dir zu schade ist. Und ich habe das halt rechtfertigen können mit, naja, die günstige wäre dann wirklich nur eine Spaßkamera. Die teure kann ich ja auch für Kundenshootings verwenden, also ist die ja mehr wert. Und ich habe damals dann gleichzeitig, also ich habe mir dann die Q2 gekauft. Und ich habe gleichzeitig mit einer guten Freundin aus Salzburg, wir haben immer so zu Halloween-Fotostrecken gemacht. Und irgendwann, das war dann 2022, da war das Ukraine-Krieg, Corona und das war so dieses Hochjahr mit den Femiziden. Da haben wir gesagt, es macht gerade irgendwie einfach, fühlt sich falsch an, jetzt einen Horrorfilm irgendwie zu machen, weil wir haben Joker oder It einfach immer so als Bildkonzept gemacht. Und dann haben wir eine Bildstrecke zu Femiziden gemacht tatsächlich. Und es war natürlich wahnsinnig schwierig, das irgendwie in vier Bildern, diesen ganzen Prozess festzuhalten, ohne jetzt irgendwie zu plakativ oder zu sehr ins Klischee hineinzugehen. Und ich habe mir damals gedacht, weißt du was, komm, ich schieße das ganze Projekt auf 28 mm mit der Leika Q2. Und das war so ein bisschen der Moment, wo ich mich in Leika verliebt habe, weil ich glaube, ich hätte dieses Projekt nicht so umsetzen können, hätte ich nicht diese Kamera gehabt, weil die einfach so reduziert war, die ganzen Knöpfe waren nicht beschriftet, du kannst dir das alles selber belegen. Im Menü siehst du nicht 100.000 Einstellmöglichkeiten und Histogramme und Wasserwaage. Du kannst das alles sehr reduziert haben, was dann eben dazu geführt hat, dass mehr Fokus auf dem tatsächlichen Bild war. Anstatt wie wir es Fotografen oft kennen, dieses, warte mal, ich stelle die Blende auf das ein und dann den Verschluss auf das und den ISO-8, den möchte ich eigentlich noch ein bisschen niedriger. Das war dann irgendwie auf einmal Nebensache. Und auf einmal ging es wirklich mehr um, okay, wie schaffen wir jetzt dieses Bild, was wir im Kopf haben, in die Tat umzusetzen.
SPEAKER_03Sehr, sehr cool. Ich finde, also auch ein Learning, dass man als Fotograf eigentlich erst mit viel Erfahrung lernt am Anfang, zumindest in meiner Welt, Gear verliebt. Ja, ich brauche noch eine bessere Blende und ich brauche noch mehr weniger Pixel und sonst was, bis man feststellt, dadurch werden die Fotos aber nicht unbedingt besser, ja. Und dass dann ganz andere Sachen, eben nicht der Inhalt und die Emotion und die Konzeption, eigentlich viel, mehr Reichweite und Tragweite hat, als zumals das Technische.
SPEAKER_01Ich finde es auch lustig, weil es gibt immer diesen Spruch Gear doesn't matter. Und ich würde den sofort unterschreiben, nur weil du eine teure Kamera hast, bist du nicht automatisch besser in der Fotografie. Aber irgendwie, Leika hat bei mir einfach, ich habe dann auch die M ausprobieren dürfen von Leika Salzburg, die haben mir die mal für zwei Wochen ausgeliehen. Danach instant angefangen, jetzt irgendwie Geld zu sparen, dass ich mir diese Kamera kaufe, weil es einfach so eine Kamera auch war, die schenkt dir überhaupt nichts. Du siehst das Bild nicht, weil du schaust durch diesen Messsucher, du hast das Glasfenster, du musst manuell fokussieren. Ich habe am Anfang total Bammel gehabt, weil ich habe die auch bei dem Event verwendet. Und so, okay, gut, ich springe jetzt mal ins kalte Wasser und das hat super funktioniert. Und es war dann irgendwie so dieses Ding von, die Kamera hat mich nicht besser gemacht, aber sie hat meine Denkweise zur Fotografie verändert. Weg von mehr nur dem Technikaspekt und das neue Kanon 1.2 Objektiv, weil das ist es gerade so schön und toll. Mehr hin zu, aber welches Objektiv hat den Charakter, den ich suche, den Bildcharakter, egal welche Blende das jetzt hat. Dann gibt es ja auch die verschiedenen Baujahre und die verschiedenen Versionen. Und da sie so reinzutigern, was ist meine Bildsprache, was ist mein Ansatz in der Fotografie? Und eher in Bildstrecken zu denken und über Aussagen von Bildern, als rein, schaut das Bild so schön, weil das Spooké ist so schön und so weich. Und ich habe keine komatischen Adaptionen.
SPEAKER_03Großartig. Ja, ich verstehe vorhin ganz. Cool. Leika wird dir oft sehr bewusst mit reduzierten Fotografien und eben ein bisschen entschleunigt und mehr Stil und sonst was. Passt das überhaupt zur Welt der Tanzfotografie, die doch eher schnell und on point und da. Mit was fotografierst du aktuell bei Leica?
SPEAKER_01Ich hatte das Glück, dass ich jetzt das Gesicht für die österreichweite Werbekampagne für die neue Leika SL3P sein durfte. Das heißt, ich habe die jetzt auch in letzter Zeit sehr, sehr viel verwendet. Ich schieße aber teilweise auch immer wieder mal mit der M, was irgendwie auch recht lustig ist, weil zum Beispiel bei solchen Tanzbattles, da ist ja immer auch irgendwie das Logo in der Mitte auf dem Tanzfloor. Und da tut man sich irgendwie relativ leicht zu sagen, ja, da ungefähr, während die ja auch stehen von der Distanz. Und dann kannst du einfach auf dieses Logo schon mal vorfokussieren. Du siehst durch den Messsucher ja mehr, als das Objektiv selber sieht und du siehst es auch nicht verzerrt. Also wenn du abdrückst, wird das Bild nicht schwarz, sondern das geht ja weiter. Und du sitzt dann teilweise so da und schaust nicht mal mehr durch die Kamera, sondern schaust einfach auf die Tanzfläche. Weißt du, hast einen Fokus, warst auf den Moment und drückst ab. Und mit der neuen Leike, jetzt zum Glück jetzt auch wirklich einen wirklich, wirklich guten Autofokus hat, ist das natürlich auch nochmal leichter, weil man sie einfach auch auf die Kamera verlassen kann, auch bei Lowlight. Und diese Reduktion ist eigentlich auch wirklich in der Tanzfotografie, weil Leike ist ja auch das Wesentliche. Und das kommt bei der Tanzfotografie tatsächlich echt drauf an, weil wenn ich jetzt so ein Tanzstück zum Beispiel fotografiere, das dauert immer locker eine Stunde. Wenn ich Battles fotografiere, das Event dauert 4, 5 Stunden. Das sind 50, 60 Battles oder jetzt auch im September, wenn ich Flavorama fotografiere, das sind bei der Pre-Selection über 100 TänzerInnen. Wenn ich jetzt bei jedem drauf halte, gehe ich mit 5, 6, 7000 Bildern wieder nach Hause. Ich habe aber an dem Tag von 11 Uhr in der Früh bis 2.30 Uhr in der Nacht meine Assignments, die ich fotografieren muss, mit Same Night Delivery. Diese Fotos müssen wirklich eigentlich am nächsten Tag um 9 Uhr fertig sein. Wenn ich da jetzt 5000 Bilder durchschieße, kann ich mir die Kugel geben, das wird einfach nicht funktionieren. Und selbst zum Beispiel bei Tanz Performances, ich sitze immer wieder einfach da, habe so die Kamera in der Hand und schaue einfach über die Kamera drüber, weil einfach gerade kein Moment ist, den man fotografieren würde. Weil auch bei Tanzstücken, es gibt ja die Highlights und dann gibt es einfach immer wieder dazwischen so wie so Bridges, die einfach von einem ins nächste führen, die jetzt aber nicht ein wahnsinnig starkes Bildkonzept wären. Und das hilft teilweise einfach auch dieses reduzierte Denken von Liker, zu überlegen, wie viele Bilder brauche ich jetzt am Ende des Tages von dieser Show. Um die 20 bis 30 Bilder müssen der Output sein. Okay, passt. Dann schaue ich auf die wirklich starken Momente, schaue, dass ich den gesamten Inhalt dieses Stückes einfangen kann. In diesen 20 bis 30 Bildern, natürlich schießt man weitaus mehr, aber viel reduzierter. Ich habe auch einen Knopf vorne auf meiner SL, der den Serienbildmodus wechselt. Und zwar, weil ich wirklich oft zwischen Einzelbild und Serienbild hin und her wechsle. Weil teilweise, wenn man im Serienmodus wird dann ein bisschen faul und man hält dann einfach mal drauf. Und oftmals macht man aber wirklich das beste Bild im Einzelbildmodus, weil man ist einfach mehr im Moment. Und ich zähle auch tatsächlich wirklich immer die Zählzeiten mit. Und es gibt auch so einen kleinen Trick bei Tanzperformances vor allem, nicht ein Auge zumachen und durch den Sucher schauen, sondern beide Augen offen haben. Mit einem schaut man durch den Sucher, beim anderen hat man so ein bisschen noch die Render noch drauf, weil es könnte jederzeit jemand aus dem Off kommen, mit einsteigen oder oft splitten sich ja die Tanzgruppen dann in zwei Teile. Und man muss dann irgendwie so, okay, wohin fokussiere ich jetzt? Ich kann vielleicht nicht beide gleichzeitig drauf bekommen. Dann muss ich schauen, gehe jetzt nach rechts oder nach links, wohin schwenke ich jetzt? Man muss aber immer noch mitbekommen, was macht denn die Gruppe da links davon. Weil wenn ich jetzt mich da einschieße auf der Gruppe rechts, verpasse ich vielleicht, dass links gerade was Wichtiges passiert. Und das ist dann oft der Moment, wo man einfach wirklich mit beiden Augen durchschaut, dass man immer die gesamte Bühne irgendwie im Gefühl hat.
SPEAKER_03Crazy. Klingt klingt herausfordernd, um es jetzt einmal vorsichtig zu sagen, aber super spannend. Und wir verlinken natürlich deine ganzen Channels, Instagrams, Webseite und sonst was unten. Ich kann jedem raten, mal vorbeizuschauen und zu schauen, was du so zauberst, dann versteht man auch viel mehr, was du alles erzählst und eben diese Emotionen, das in Momente einzufangen. Und ich kann hundertprozentig unterschreiben, was du gesagt hast. Diesmal, wenn ich den Serienbildmodus einschalte und der wird von Kamera zu Kamera besser, ich glaube, wir sind bei 50.000 Bildern pro Sekunde. Du verpasst trotzdem den Moment. Also es ist One-Shot ist besser, wenn man ein bisschen Ahnung hat und ein Gefühl, als einfach draufhalten und beten, weil das, ja, haben wir ja. Cool. Du, wir sehen uns ja bald wieder, weil du bist bei der Pixel Power dabei mit einem Vortrag bzw. auch mit einem Workshop. Life in Movement heißt das Ganze. Was erwartet die Leute denn da? Was machen wir denn da? Oder was machst du da?
SPEAKER_01Also der Workshop ist eigentlich ein relativ interessantes Podpuri. Das ist jetzt kein Workshop, wo ich sagen würde, der ist auf diese eine Nische spezifisch, sondern deckt so relativ alles ab, was ich in meinem fotografischen Alltag so habe. Also von eben Tänzern bis zu Porträt und auch so Fashion-Aspekte. Also wir haben auch, die Marke Wyatt wird auch ihre Kleidungsstücke dafür dann auch zur Verfügung stellen. Und das ist einfach mal für jeden, der irgendwie Interesse daran hat, wie das so aussieht, auch teilweise unter Zeitdruck zu arbeiten, weil da entstehen oft wirklich die besten Bilder. Und eben auch in Bildstrecken zu denken, dass jetzt jemand nicht herkommt und denkt, ich habe jetzt ein cooles Tanzfoto, toll, sondern zu denken, aber wie kannst du damit eine Geschichte erzählen? Wie kannst du vielleicht eine Geschichte von der Bewegung bis hin zu einem Porträt erzählen? Oder vielleicht auch wirklich nur eine Detailaufnahme, wenn es zum Beispiel eine Balletttänzerin ist, von dem Spitzenschuh. Und was könnte es für eine Geschichte erzählen? Weil das einzelne Foto ist immer cool, aber man lebt als Fotograf dann doch immer davon, dass man sagt, die Bilder haben eine Aussage und könnten auch im redaktionellen Bereich zum Beispiel verwendet werden.
SPEAKER_03Klar, super spannend. Ich freue mich auf jeden Fall, das wird auf jeden Fall ein sehr dünner. Und sehr, sehr nice. Du, wir haben noch eine Rausschmeißfrage, die wir all unseren Gästen fragen. Und zwar gerade in Zeiten wie diesen, wo sich die Fotografie sehr schnell verändert und KI und weiß ich was alles. Wo siehst du denn die Fotografie so fünf bis zehn Jahre in der Zukunft? Glaubst du, wird das alles gleich sein? Wird sich das technisch komplett verändert haben? Wirst du dann noch Fotograf sein? What's your take on the future?
SPEAKER_01Puh, interessante Frage. Also ich glaube, darauf weiß gerade niemand so richtig eine eindeutige Antwort. Ich sehe es so ein bisschen wie damals, wo irgendwie der Umstieg von der Analog auf die Digitalfotografie war und es dann geheißen hat, jeder kann jetzt Fotograf sein und dann, ich glaube 2013 war das ja auch, wie die Wirtschaftskammer das Gewerbe geöffnet hat. Und das spürt man teilweise heute schon auch noch. Also es gibt viele Leute, die herumrennen und sagen, sie sind Fotografin, wo man sich denkt, da gehört schon mehr dazu. Und das wird sicher auch mit der KI so sein, dass viele Leute dann irgendwie ein mittelklasse Foto machen und das dann irgendwie mit der KI umrechnen, dass der Moment geändert wird oder die Perspektive. Ich glaube schon, dass es gewisse Branchen härter treffen wird als andere. Aber ich glaube sogar, dass es vielleicht diese menschliche Komponente dann fast noch mehr Stellenwert hat. Also war ja damals, die Fotografie hat ja auch die Malerei abgelöst vom realistischen Malen. Ein Picasso konnte dann abstrakte Porträts malen, weil das richtige Porträt von einer Person hat man einfach dann mit dem Foto gemacht. Und es hat eigentlich auch die Malerei gelöst, ein bisschen abstrakter sein zu können. Und ich glaube, dass es auch in der Fotografie so sein kann, das reine dieses Produkt, keine Ahnung, diese Kaffeetasse, muss jetzt ganz schön auf diesem weißen Hintergrund sein, was ja jetzt nicht die Lieblingsaufgabe von allen Fotografen ist. Das wird man, glaube ich, recht gut machen können. Ich glaube, IKEA rendert ja mittlerweile auch einen Großteil ihrer Kampagnen. Aber eben diese Kreativarbeit und diese Bildstrecken und die Emotion, das alles hineinzubringen, ich glaube, dass das vielleicht sogar noch mehr Stellenwert haben könnte. Eben im Kontrast zu den ganzen KI-generierten Bildern.
SPEAKER_03Perfekt. Ein schönes Schlusswort, ein sehr positiver Schlüssel. Ich teile das. Also ich glaube, wir werden sehr wohl vor der Gabriel. Kein Mensch wird KI-Bilder von seiner Dance-Performance haben will. Ich merke da seine Hochzeit oder sonst was.
SPEAKER_01Oder von seinem neugeborenen Kind.
SPEAKER_03Super. Vielen lieben Dank für die coolen Insights. Vielen Dank für seine Zeit. Es war sehr, sehr cool. Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen. Und ich kann jedem empfehlen, schaut euch die Werke an, folgt den Raphael und wir sehen uns bei der Pixel Power. Bald wieder. Freue mich. Danke. Ciao.
SPEAKER_02Wir haben uns gefreut, dass ihr dabei wart und hoffen, es hat euch gefallen. Bis zur nächsten Folge des Fotoobjektiv Podcasts von Kliff Kapertheis und Glas Lorbeer.